Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Als ich noch in der Schule war, habe ich mich immer wieder mal gefragt: „Warum haben die Erwachsenen so wenige Freunde?“
Freundschaften waren damals für mich ein Selbstläufer. Kaum war ich nachmittags von der Schule daheim habe ich das Familientelefon blockiert und ewig mit meiner Freundin gequatscht. Ständig waren wir im Kontakt.
Heute, viele Jahre später, merke ich, wie schwer es sein kann gute Freunde zu finden und mit ihnen im Kontakt zu bleiben. Zumindest, wenn man, wie ich, öfters schon mal umgezogen ist und außerdem immer wieder am Wochenende arbeitet.
Denn Freundschaften muss man pflegen. Und das geht nicht ohne Planung. Manchmal bin ich zu träge zum Organisieren. Und ehrlich gesagt, ist es auch schön, Sonntagnachmittags einfach aufs Sofa zu sitzen und zu stricken oder zu lesen.
Im Lukasevangelium, erzählt Jesus ein Gleichnis von Freunden und meint: Ein Freund ist einer, bei dem man, auch noch mitten in der Nacht anklopfen kann und Hilfe bekommt – oder auch drei Fladenbrote, wenn überraschend Besuch gekommen ist. Ich habe auch schon erlebt, wie gut es tut, wenn man einem Freund helfen kann.
Aber manchmal bekommt man gar nicht die Gelegenheit zu helfen. Ein Bekannter hat mir erzählt, wie er nach langer Zeit einen guten Freund getroffen hat. Er hat ihn gefragt: „Warum warst Du so lange von der Bildfläche verschwunden? Was war los?“ Sein Freund hat ihm erzählt, dass er eine schwere Zeit durchgemacht hat. Meisten sagen wir dann so etwas wie: „Ach, Du Armer. Das tut mir sehr leid. Das war bestimmt nicht leicht für Dich.“
Doch mein Bekannter meinte zu ihm: „Wie kannst Du nur so egoistisch sein? Du hast mir die Chance genommen, Dir zu helfen.“
Freundschaften leben nicht davon, dass alles glatt läuft. Sie leben davon, dass wir Dinge miteinander teilen: unsere Sorgen, unsere Zweifel, unsere Überforderung.Dafür sind Freunde da und so wächst Vertrauen.
Ich bin sehr dankbar für meine Freunde, die mir auch eine längere Funkstille nicht übelnehmen. Meine guten Freunde sind ein Geschenk des Himmels. Und ich will mit dafür Sorge tragen, dass es so bleibt.
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