Begegnungen

Caroline Haro-Gnändinger trifft: Elisabeth Knaus.
Sie engagiert sich ehrenamtlich bei einem Kinder- und Jugendhospizdienst im Landkreis Heilbronn. Wir treffen uns im Theater Heilbronn und schauen uns das Stück „Schlafen Fische?“ an. Das ist ein Stück über ein Kind, über Jette, und ihren schwerkranken kleinen Bruder Emil. Elisabeth Knaus ist dabei, wenn sich Schulklassen das gemeinsam anschauen und sich zu Trauer austauschen:
Ich finde total berührend, wie die Schauspielerin alle Themen die uns so in unserer Begleitung immer wieder begegnen, wie gut sie sie ausdrücken kann.
Auch mir wird beim Zuschauen klar, was so eine schwere Situation mit einer Familie machen kann – zum Beispiel ist die kleine Jette auch mal sauer, weil sie findet, dass ihre Mutter mehr Zeit mit Emil als mit ihr verbringt. Elisabeth Knaus hat im echten Leben so eine Familie begleitet - der große Bruder hatte Krebs und der kleine Bruder sollte nicht zu kurz kommen:
Das Geschwisterkind hatte sehr viel Auslauf gebraucht, die haben in einer engen Wohnung gelebt, da war einfach angesagt: mit Ball auf den Spielplatz und draußen rumtoben. Da war einfach: Für das Geschwisterkind eine gute Zeit zu schaffen und die Eltern zu bestärken und zu unterstützen.
Sie unterstützt die Familien mal für ein paar Monate, mal für ein paar Jahre. Bis sie selbst wieder besser allein zurechtkommen. Sie macht das über den Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser – und geht dabei zu den Familien nach Hause. Gerade begleitet sie einen Jungen, schon sieben Jahre lang.
Zum Beginn konnte das Kind selbstständig schlucken, es ist eine degenerative Muskelerkrankung, das heißt alle Fähigkeiten der Muskeln lassen nach. Und inzwischen ist es einfach so, dass er sich selbst nicht mehr drehen, bewegen kann, dass er mit Sonde versorgt ist, mit ab und zu Sauerstoff.
Seine Eltern kümmern sich um ihn und ein Pflegedienst kommt vorbei. Elisabeth Knaus als Ehrenamtliche will vor allem Zeit schenken – dem Jungen tut Musik sehr gut:
Er liebt Töne, und das hat er von Anfang an geliebt. Ich habe für ihn, Musik gemacht. Reime, Lieder, Kinderlieder. Und inzwischen habe ich jetzt eine gute Möglichkeit gefunden, mit einem Monochord. Das ist ein Saiteninstrument, des Schwingungen hat und diese Schwingungen können sich auf den Körper übertragen. Das liebt er, da wird er ganz ruhig und entspannt.
Es ist praktisch, dass Elisabeth Knaus als Erzieherin und Heilpädagogin gearbeitet hat. Inzwischen ist sie in Ruhestand. Sie macht das, weil das Ehrenamt sie bereichert – und gleichzeitig ist es schwierig, manche Situationen sind belastend.
Ich treffe Elisabeth Knaus aus Mainhardt im Kreis Schwäbisch Hall. Sie engagiert sich für Kinder und für Jugendliche, wenn in deren Familien jemand eine schwere Krankheit hat, die manchmal sogar zu einem frühen Tod führen kann. Einmal die Woche geht sie normalerweise zu den Familien:
Für mich ist da ein ganz intensives Leben spürbar - es ist sehr viel Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, über jede noch so kleine positive Veränderung oder jedes Mal, wo man es gemeinsam schafft, einen Besuch zu machen oder gemeinsam rauszugehen.
Und doch fragen sich Eltern auch: Warum unser Kind? In manchen Fällen stirbt das Kind. Dann begleitet sie die Familien auch in der Trauer.
Die Gefühle, die dann kommen im Moment des Abschieds, da drauf kann man sich, glaube ich, nicht gut vorbereiten, die kommen mit einer Wucht und gerade deshalb ist wichtig, dass dann jemand da ist, der weiß mit diesen Gefühlen umzugehen.
Sie begleitet auch junge Familien, in denen die Mutter oder der Vater gestorben ist. Spricht mit ihnen oder kocht mit ihnen. Und sie sagt, etwas machen zu können, kreativ, das tut oft gut:
Wir haben gemeinsam Erinnerungs-Schatzkisten gebastelt, da kamen Bilder rein, ich erinnere mich aber auch an eine andere Familie, da kam ein alter Strumpf vom Papa rein, oder ein Ohrring von der Mama.
Für Kinder da sein – wenn sie solche schweren Zeiten erleben – das macht Elisabeth Knaus seit inzwischen 17 Jahren. Sie hat selbst als Kind so etwas erlebt:
Der Tod begleitet mich tatsächlich schon lange, weil meine Mutter gestorben ist, als ich zwölf Jahre alt war.
Für sie, ihren Vater und ihre Schwestern war es schwierig damals. Sie erinnert sich an viel Sprachlosigkeit. Und an Menschen außerhalb der Familie, die ihr auch Halt gegeben haben:
Ein Klassenlehrer, der einfach für mich da war. Er hat mir einfach zugetraut, dass ich trotz diesem Verlust einen guten Weg weitergehen kann.
Und das möchte sie auch Kindern heute mitgeben. Sie erlebt mit den Familien schwere Tage, aber auch lustige und fröhliche. Elisabeth Knaus ist Christin und jetzt in der Vorbereitungszeit auf Ostern erkennt sie etwas wieder. In den Erzählungen der Bibel geht es um Erfahrungen, die sie von der Arbeit mit den Familien gut kennt:
Karfreitag, der Tag, an dem es ganz dunkel wird, an dem der Vorhang zerreißt, wo Jesus am Kreuz stirbt, und der Ostermorgen, wo ein helles Licht am Grab ist, das Grab leer ist, Jesus lebt, Jesus ist von den Toten auferstanden, das ganz Dunkle und dieses Leben. Das ist einfach was, was in den Begleitungen immer wieder spürbar ist.
Sie zieht auch aus diesem Glauben Kraft. Ich finde es wunderbar, wie sie für Kinder und deren Familien da ist.
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