SWR3 Gedanken
Ich bin gerade bei einer Beerdigung. Ein alter Feuerwehrmann ist gestorben. Vier Kameraden stehen neben seinem Sarg. Und jetzt höre ich dazu diesen Satz: „Wir sind gekommen und erweisen ihm die letzte Ehre.“ Ich schaue nochmal auf die vier Feuerwehrmänner, die so ganz ruhig neben dem Sarg stehen, alle vier in dieser typischen Uniform mit Krawatte und Schirmmütze.
Mir gefällt wie die vier Feuerwehrleute dastehen. Wie sie ihren toten Freund bei seiner Beerdigung nicht allein lassen. Sie stehen ihm im wahrsten Sinne des Wortes bei. Mir gefällt auch, wie der Kommandant in seiner Rede über den Toten spricht. Dass es eine große Ehre war, den Kameraden im Verein zu haben. Und dann sagt der Redner am Schluss eben auch diesen einen Satz: „Wir erweisen ihm heute die letzte Ehre.“
Das klingt feierlich. Vielleicht weil es den, der da gerade „Ehre“ erfährt, irgendwie größer werden lässt. Für mich hat das viel mit Achtung und Respekt vor dem Menschen zu tun, wenn jemand so geehrt wird.
„Ehre“ – obwohl das Wort ein bisschen altmodisch klingt, es gefällt mir. Ehre steht jedem zu, nicht erst wenn er gestorben ist. Und sie tut allen gut. Ich bin zum Beispiel geehrt, wenn mich jemand lobt, am besten noch vor anderen Leuten. Und ich empfinde es als Ehre, wenn mich jemand mit etwas Schönem überrascht. Dann merke ich: Ich bin wichtig und ich werde gesehen. Bei diesem Menschen bin ich an der richtigen Stelle. Was für eine Ehre!
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