SWR4 Abendgedanken

03MRZ2026
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Vor kurzem habe ich eine offizielle Ehrung bekommen. Mich hat das einigermaßen verlegen gemacht. Ich bin für ehrenamtliche Arbeit geehrt worden, also für etwas, das ich aus Überzeugung tue, aus Freude oder aus Verantwortung. Für etwas, das ich nicht getan habe, um geehrt oder gesehen zu werden, sondern weil es mir am Herzen liegt. Und plötzlich stand ich da, habe eine Urkunde bekommen, eine Ehrennadel und lobende Worte und Applaus.

Ich habe diesen Moment genossen -– und gleichzeitig hat mich die Ehrung verlegen gemacht. Denn Ehrenamt lebt ja gerade davon, dass es nicht um mich, um die eigene Person geht. Und doch tut es gut, wenn jemand sagt: „Danke. Wir sehen, was du tust.“

Im Matthäusevangelium sagt Jesus:
„Ihr seid das Licht der Welt. Man stellt eine Lampe nicht unter den Scheffel.“ (Matth 5,15f)
Das heißt nicht: „Stell dich ins Rampenlicht.“
Es heißt: „Lass dein Tun leuchten – damit andere Mut bekommen, selbst Licht zu sein.“

Ehrenamt ist genau das: ein Licht, das man in die Welt trägt.
Oft klein. Manchmal unauffällig.
Aber ohne diese vielen kleinen Lichter wäre unsere Gesellschaft dunkel.

Deshalb denke ich mir: Wenn ich eine Ehrung für ehrenamtliches Tun bekomme, dann ist das nicht nur ein Dank an mich.
Es ist ein Dank an alle, die sich einbringen.
An die, die im Hintergrund oder mit mir wirken.
An die, die vielleicht niemand sieht, aber jeder spürt.
An die, die ihre Zeit verschenken, ihre Kraft, ihr Herz.

Ich verstehe die Ehrung für mich als Stellvertretung.
Als Zeichen dafür, wie wertvoll Ehrenamt ist.
Als Ermutigung für andere, sich ebenfalls einzubringen.
Als Erinnerung daran, dass jede und jeder etwas beitragen kann und Teil ist eines großes Ganzen.

Albert Schweizer hat das ehrenamtliche Engagement – er nennt es „Nebenamt“ – einmal beschrieben als etwas, was zum Menschsein gehört, so sehr, dass er sagt:
„… lass Dir ein Nebenamt, in dem Du Dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist Dir eines bestimmt, ...“.

Engagement macht einen Unterschied – und es darf gesehen werden. So gesehen, ist Anerkennung kein Podest, auf das jemand gestellt wird, sondern vielleicht eher so etwas wie ein Wegweiser.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43998
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