Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

09MRZ2026
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Wissen Sie, wer heute Geburtstag hat? Barbie! Vor 67 Jahren kam die erste Barbie-Puppe auf den Markt. Ich durfte als Kind keine haben. Meine Mutter fand diese Puppen einfach unmöglich. Deshalb waren Barbie-Puppen bei uns zu Hause verboten. Meine Mutter fand, dass kein Mädchen davon träumen sollte, so auszusehen wie Barbie: Blond, langbeinig, perfekte Taille. Sie wollte meine Schwester und mich zu emanzipierten Frauen erziehen, die ihren eigenen Weg finden im Beruf und im Leben.

Deshalb habe ich heimlich bei Freundinnen mit deren Barbies, ihren Barbiehäusern, -autos und -traumkutschen gespielt und mich dort in die Barbie-Welt hineingeträumt. Denn: „Du kannst alles sein!“ Das ist der Werbeslogan, mit dem Barbie auf die Welt gekommen ist. Und Barbie ist ja auch vieles: Sie ist nicht nur Freundin, sondern auch Ärztin, Rettungsschwimmerin, Prinzessin und Snowboarderin.

Heute gebe ich meiner Mutter recht, dass dieses pinkfarbene Barbieleben auch Druck ausüben kann. Barbie ist in allem perfekt. In jeder Lebenslage lächelt sie, und nie ist sie erschöpft.

Und trotzdem mag ich ihren Werbeslogan: „Du kannst alles sein“. Denn darin steckt auch ein Gedanke, der tief christlich ist: „Du kannst alles sein“.  Ich höre diesen Satz als Einladung, die eigenen Möglichkeiten ernst zu nehmen.

Gott sagt nämlich: „Du bist schon jemand. Du bist mein Geschöpf und Ebenbild.“ Wenn ich ihm das glaube, dann verliere ich diesen Barbie-Zwang zur Selbstoptimierung. Dann kann ich mich in einem anderen Licht sehen: Ich bin Gottes gutes Geschöpf, von ihm mit Talenten beschenkt, um etwas zu erreichen.

Gott hat für mich keine perfekte Rolle vorgesehen, sondern ein lebendiges Leben. Ein Leben, in dem ich mich ausprobieren und mich verändern kann. Sogar scheitern darf. Und erhobenen Hauptes wieder aufstehen. Wie wunderbar, mit dieser Zusage leben zu dürfen: „Du musst nicht alles sein, aber du kannst so vieles sein.“

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