SWR3 Gedanken
Über „Ausländer“ höre ich gerade wieder viele Diskussionen. Dass man anders mit ihnen umgehen muss. Dass man nicht alle aufnehmen kann. Was sie taugen. Dass sie nicht taugen. Was sie den Deutschen alles wegnehmen. Dass man hart durchgreifen muss.
Vor mir als Lehrerin in der Schule sitzen fast jeden Tag einige von denen, über die so viel geredet wird. Sie nennen sich selbst manchmal Ausländer. Für mich sind sie meine Schüler. Sie alle sind aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen. Geflohen. Weil Krieg in ihrem Land ist. Oder, weil sie in ihrem Land verfolgt werden. Wegen ihrer Religion oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder aus anderen Gründen.
Wie auch die anderen Schüler in meinen Klassen, sind sie einfach junge Menschen. Mit Stärken und Schwächen. Manchen fällt es leicht, Deutsch zu lernen. Anderen eher schwer. Manche finden sich leicht ein in ihr neues Leben in Deutschland. Andere tun sich schwer mit dem Einleben.
Mir sind diese Schüler ans Herz gewachsen. Sie heißen Kenan, Mustafa, Mohamed, Mischa, Bashir und Alex. Sie kommen aus Pakistan, aus Syrien, der Ukraine, aus Albanien, der Türkei und Afghanistan. Sie alle sind Menschen und haben die gleiche Chance verdient wie alle anderen Schüler auch. Sie haben eine Lehrerin verdient, die Geduld hat, sich Zeit nimmt und versucht ihnen etwas beizubringen. Damit sie leben können in einem Land, in dem sie nicht geboren sind und das hoffentlich ganz anders ist als das, aus dem sie fliehen mussten.
Ich wünsche mir, dass das bei allen Diskussionen um „die Ausländer“ nicht vergessen wird. Wir alle sind Menschen und auf die Geduld und das Verständnis der anderen angewiesen.
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