SWR3 Gedanken

02MRZ2026
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Eine Kollegin an meiner Schule ist schon länger krank. Ich vermisse sie. Weil ich sie mag. Aber natürlich auch ganz praktisch. Weil sie fehlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man schnell vergessen wird, wenn man eine Weile nicht da ist. Irgendeiner übernimmt die Aufgaben und der Alltag geht weiter.

„Jede und jeder ist ersetzbar.“ Das sagt man so leicht dahin. Aber mir selbst hat das schon öfter weh getan, dass ich tatsächlich ersetzt worden bin. Wenn ich vorher das Gefühl hatte, dass ich wichtig bin und wertgeschätzt werde und sich am Ende doch keiner für mich interessiert.

Deshalb ist es mir wichtig, dass das bei meiner Kollegin anders ist. Dass sie weiß, dass wir sie nicht vergessen. Dass sie fehlt. Dass manches vielleicht ersetzt werden kann. Aber sie selbst eben nicht. Ich versuche ihr das zu sagen und auch zu zeigen. Und deshalb hat mich besonders gefreut, dass es den Schülern geht wie mir. Viele Unterrichtsstunden, die meine kranke Kollegin nun nicht halten kann, werden von anderen Kollegen übernommen. Manche Stunden müssen ausfallen. Und die Schüler freuen sich natürlich auch, wenn sie frei haben. Aber sie vergessen meine Kollegin nicht. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir ihr das zeigen können und von den Schülern kam die Idee, dass wir ihr eine Karte und ein kleines Geschenk schicken. Süßigkeiten, ein Buch und etwas, das sie an uns erinnert.  Gemeinsam haben wir das vorbereitet und ihr geschickt.

Wir hoffen, dass unser Gruß ihr gefällt und gut tut. Sie soll wissen, dass sie uns fehlt, dass sie aber alle Zeit hat, um gesund zu werden.

Für mich zeigt das auch etwas von Gottes Liebe. Gott lässt keinen im Stich, jeder und jede ist ihm wichtig. Das versuche ich auch meiner Kollegin zu zeigen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43983
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