SWR Kultur Wort zum Tag
Im sonst beschaulichen Freiburg hat man es gewagt, beleuchtete Schilder mit der Aufschrift „Happy Ramadan“ aufzuhängen, um den muslimischen Fastenmonat zu würdigen. Man wollte den muslimischen Mitbürgerinnen und -bürgern alles Gute in dieser für ihre Religion so wichtigen Zeit wünschen.
Im weniger beschaulichen Frankfurt wurden solche Lichter schon zwei Jahre vorher eingeführt und eine zuständige Bürgermeisterin hat betont, dass sie für eine Botschaft des friedlichen Miteinanders und der Solidarität stehen und ein Zeichen seien „der Hoffnung und des Zusammenhalts.“
Wie traurig und verstörend, dass jetzt in Freiburg die sogenannte „Identitäre Bewegung“ über der Ramadan-Beleuchtung eigenhändig eine schwarze Verhüllung mit Kreuzeichen und Aufschrift angebracht hat. „Gesegnete Fastenzeit!“ steht darauf. Ich bezweifle sehr, dass die Leute, die dies getan haben, wirklich aktive, gläubige Christen sind. Ich vermute eher, dass sie die christliche Fastenzeit als Kampfbegriff missbrauchen, um gegen Muslime in Deutschland zu hetzen und sie auszugrenzen.
Dabei könnte es eine echte Chance sein, dass dieses Jahr die islamische und die christliche Fastenzeit über einen langen Zeitraum zusammenfallen. Die Wertschätzung des Fastens verbindet verschiedenste Kulturen und Religionen weltweit. Immer geht es auf der einen Seite um die Beziehung zu Gott und auf der anderen Seite um die Beziehung zu sich selbst, um innere Reinigung. Im Ritual des Iftar, des muslimischen Fastenbrechens am Abend, kommt noch ein drittes, wichtiges Element hinzu: Die Beziehung zum Mitmenschen. Die abendliche Zeremonie bringt Familien, Freunde, Nachbarn und Gemeinden beim gemeinsamen Essen zusammen. Und es ist üblich, Bedürftige einzuladen oder Essen zu teilen. Das fördert Empathie und verbindet, genau wie in der christlichen Fasten-Tradition, das Spirituelle mit der Barmherzigkeit.
Dass Fasten uns über die Grenzen der Religion hinaus sogar zusammenbringen kann, machen die Muslime an vielen Orten Deutschlands jetzt schon vor. Sie laden ganz bewusst auch Nicht-Muslime ein, damit Menschen sich kennenlernen und gegenseitige Vorurteile abbauen können. Was könnte, egal zu welcher Religion wir gehören, lohnenswerter sein als das?
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