SWR Kultur Wort zum Tag

27FEB2026
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Wir befinden uns mitten in der christlichen Fastenzeit und viele von uns haben sich vorgenommen, auf Dinge zu verzichten, die mehr oder weniger schädlich für Körper und Geist sind. Wie wir Christen haben auch die Muslime und viele andere Religionen eine lange Tradition des Fastens mit mehr oder weniger verpflichtenden Regeln. Die Regeln führen auch zur Wortherkunft: Das Verb „fasten“ kommt vom Adjektiv „fest“ und bedeutet ursprünglich „festhalten“. Damit ist vor allem das Festhalten an Geboten gemeint und darin besteht die Verbindung zur christlichen Fastenzeit.

Zu den gemeinsamen Anliegen der Religionen beim Fasten gehören körperliche und seelische Reinigung und Besinnung auf das Wesentliche. Es geht darum, Beziehung in dreifacher Weise neu zu entdecken und zu stärken: Zu sich selbst, zu Gott und zu den Mitmenschen. Wer sich die Zeit dafür nimmt, für den kann die Fastenzeit nicht nur Verzicht, sondern vor allem ein Gewinn sein, eine Tür zum guten Leben.

Fasten soll also eine Reise ins Innere ermöglichen, dabei aber auf keinen Fall stehen bleiben. Es geht nie um den Verzicht als Selbstzweck, nur um sich etwas zu beweisen oder um vor Gott als besonders eifrig dazustehen. Noch weniger geht es darum, andere damit zu beeindrucken. Das macht in der Bibel der Prophet Jesaja sehr deutlich, wenn er sagt: „Wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten?“ Jesaja meint: Nein. Denn er fährt fort: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.“

Eine gute Möglichkeit, dies praktisch umzusetzen ist zum Beispiel die Fastenaktion des Hilfswerks Misereor. Unter dem diesjährigen Motto "Hier fängt Zukunft an" sollen Chancen für Menschen eröffnet werden, die bisher wenig Möglichkeiten hatten. Ganz im Sinn des Propheten Jesaja.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43977
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