SWR4 Abendgedanken
Kleine bunte Vögelchen aus Keramik schmücken meine Serviettenringe. Und sie sehen aus wie die echten. Es sind Vögel aus Guatemala: Ein Tukan, ein Pelikan und andere, deren Namen ich nicht kenne. Wenn ich diese Serviettenringe zum Essen mit Gästen auf den Tisch lege, erzähle ich gerne, wo ich sie herhabe. Sie sind durch den Weltgebetstag zu mir gekommen.
Der Weltgebetstag wird schon seit vielen Jahren immer am 1. Freitag im März, also auch heute, begangen. Christen auf der ganzen Welt feiern an diesem Abend einen Gottesdienst, bei dem jedes Mal ein anderes Land im Mittelpunkt steht. Es geht um die besonderen Themen der Menschen dieses Landes, verbunden mit einem Text aus der Bibel. Um mehr über das jeweilige Land zu erfahren, habe ich mich immer bemüht, Kontakt zu Leuten herzustellen, die das Land kennen. Im Jahr 1993 kam der Weltgebetstag aus Guatemala. Und ich habe damals eine Frau getroffen, die Handarbeiten aus Guatemala nach Deutschland gebracht hat und sie hier verkauft hat. Sie hat mit dem Erlös Menschen in dem südamerikanischen Land unterstützt.
Sie hat mir erzählt von den Frauen, die diese kleinen Kunstwerke gefertigt haben mit großer Sorgfalt und Liebe.
Diese Serviettenringe sind für mich mehr als eine hübsche Tischdekoration. Sie erinnern mich daran, dass wir alle miteinander verbunden sind – auch wenn uns Kontinente trennen.
Im Bibeltext des Weltgebetstags damals ging es um Gottes Fürsorge für die Vögel des Himmels. „Seht die Vögel“, heißt es dort. Ein Satz von Jesus aus der Bergpredigt. Er sagt: Die Vögel säen nicht und ernten nicht – und doch sorgt Gott für sie. (Matth 6,26) Dieser Satz hat für mich durch die Begegnung mit Guatemala eine neue Tiefe bekommen. Denn Gott sorgt nicht nur für die Vögel, sondern auch für die Menschen, die die Keramikfiguren formen, bemalen und verkaufen, um ihr Leben zu sichern.
Heute und an jedem 1. Freitag im März ist das die Einladung dieses Abends zum Weltgebetstag: einmal bewusst hinzuschauen. Auf die Dinge, die uns umgeben und verbinden. Auf die Menschen, die hinter ihnen stehen. Und auf die Geschichten, die Gott darin für uns bereithält. Und wenn ich Gäste habe und meine Keramikvögel den Tisch und die Servietten schmücken, kommen wir manchmal darüber ins Gespräch.
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