SWR4 Abendgedanken
Morgen ist Weltgebetstag. In vielen Christengemeinden rund um die Welt feiern Menschen einen Gottesdienst zu einem gemeinsamen Thema. Den Weltgebetstag gibt es schon seit fast hundert Jahren, immer am 1. Freitag im März. Ursprünglich war das eine Initiative von Frauen, weshalb dabei bis heute vor allem die Lebenssituation von Frauen zu Wort kommt. Die Idee dabei ist auch, dass das Gebet von vielen Menschen an diesem Tag rund um die Erde läuft und praktisch nicht verstummt.
Wenn Anfang März der Weltgebetstag gefeiert wird, entsteht ein unsichtbares Netz über Kontinente hinweg. Frauen in kleinen Dörfern und großen Städten, in altehrwürdigen Kirchenräumen und modernen Gemeindehäusern, in Ländern voller Frieden und in Regionen voller Angst – sie alle verbinden sich im Gebet.
Was mich daran so berührt: Diese Frauen beten füreinander. Für Menschen in ihrer Nachbarschaft oder ganz weit weg in einem fernen Land. Für Frieden, der überall gebraucht wird.
Und während sie beten, tragen sie.
Sie tragen Verantwortung in ihren Familien.
Sie tragen Lasten; sie tragen Träume.
Und sie tragen Hoffnung – oft für andere, bevor sie an sich selbst denken.
Im Lukasevangelium heißt es: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Maria spricht diese Worte, eine junge Frau, die selbst nicht wusste, wie ihr Leben weitergehen würde. Und doch lobt sie Gott mit ihrem Gebet. Sie vertraut. Sie trägt.
Vielleicht ist das das Geheimnis dieser betenden Frauen weltweit: Sie wissen, dass sie nicht allein tragen müssen. Dass Gott mitträgt. Dass ihre Worte nicht im Raum verhallen, sondern Teil eines großen, atmenden Gebets werden, das die Welt umspannt.
Gewiss gibt es auch in Ihrer Nähe einen Weltgebetstagsgottesdienst. An vielen Orten sind Frauen und Männer dazu eingeladen, dieses besondere Gebet mitzufeiern, sich davon inspirieren zu lassen und sich einzubinden in dieses weltweite Netz.
So wird aus vielen leisen Stimmen ein großer Klang.
Ein Klang, der trägt – rund um die Welt.
