Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06MRZ2026
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Heute, am ersten Freitag im Monat, gehe ich die älteren Menschen unserer Kirchengemeinde besuchen. Es ist immer ein großes Hallo, wenn ich zu einer bestimmten Frau im Dorf komme. Sie hat mal eine Bäckerei geführt und hilft immer noch ein bisschen mit. Wenn ich bei ihr bin, lachen wir viel zusammen über Anekdoten aus dem Ort. Dann beten wir und singen die alten Kirchenlieder. Und das meistens sehr lautstark. Oft auch mit offenem Fenster. Manche Nachbarn haben, denke ich, auch ihre Freude daran.

Jedes Mal, wenn ich von dort weggehe, ruft mich ihr Sohn noch einmal in die Backstube rein. Er packt mir dann eine duftende, warme Brezel oder eine Laugenstange in eine Tüte: „Das ist für Sie“, sagt er und lacht mich an. Ich freue mich darüber. Aber es ist mir auch etwas peinlich. Eigentlich komme ich ja nicht wegen der Brezel. Die Hausbesuche gehören zu meinem Dienst als Seelsorger. „Das ist schon in Ordnung so“, sagt er dann jedes Mal.

Bei meinem letzten Besuch war er nicht da. Als ich mittags nach Hause gekommen bin, lag eine Bäckertüte vor meiner Tür. Mit drei frischen großen Berlinern drin. „Unglaublich“, habe ich gedacht. Der Mann hat sich die Mühe gemacht, extra noch zu mir zu fahren. Ich war gerührt und auch etwas beschämt. Aber er wollte mir einfach Danke sagen. Das war ihm wichtig.

Ich habe durch ihn gelernt, wie wichtig es ist, ein Danke auch anzunehmen. Und wenn ich mich über das Dankeschön noch freue, tut es auch dem anderen gut. Wo Menschen sich gegenseitig Gutes tun und auch danken, spüre ich: Da ist Gott mit im Spiel. Der Gott, der uns Menschen immer wieder beschenkt und auch miteinander verbindet, wenn wir uns mal Danke sagen.

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