Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

05MRZ2026
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„Sie konnte nicht „Nein“ sagen. Sie war für alle da, nur für sich selbst nicht.“ Als ich das in der Ansprache bei einer Trauerfeier erwähnt habe, haben manche Trauergäste genickt.

Viele der Anwesenden hatten auf ganz unterschiedliche Weise erlebt, wie engagiert die verstorbene Frau war. Beim Gespräch mit der Familie haben wir gemeinsam überlegt, was wir von der Frau lernen könnten: „Eigentlich ist es doch gut, Ja zu sagen, wenn man gefragt wird, ob man helfen kann. Aber sich selbst sollte man nicht dabei vergessen. Und dann vielleicht auch mal ‚Nein‘ sagen“, hat die Enkelin gesagt.

Bewusst auch mal „Nein“ sagen heißt ja, dass ich mir darüber klar bin, was ich kann und was ich nicht kann. Was mich vielleicht überfordert. Da darf ich ganz getrost auch mal „Nein“ sagen: „Das kann ich nicht, das ist mir zu viel“. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ich ganz bewusst „Ja“ sagen kann, wenn ich spüre: „Hier bin ich gefragt und das kann ich auch machen!“ Es geht jedenfalls immer um eine klare Entscheidung: „Euer Ja sein ein Ja, euer Nein sei ein Nein“ (Mt 17, 37). So sagt es Jesus.

Ich denke, dass Gott jedem und jeder von uns ganz bestimmte Talente und Kräfte geschenkt hat. Wenn ich gefragt werde und spüre, dass ich etwas kann und es mir sogar Freude macht, sage ich ganz bewusst „Ja, das mache ich!“. Ich darf mir aber auch mal gönnen, „Nein“ zu sagen, wenn es mir zu viel wird. So bleibe ich „Ich selbst“. Ich nehme die anderen und auch mich selbst ernst. Und letztlich auch Gott, der alles in mich hineingelegt hat.

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