SWR3 Gedanken

12MRZ2026
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Was für ein Wow-Effekt: Wenn du zum ersten Mal durch die neue Brille schaust, und die neue Stärke perfekt passt. Das ist wie eine „Augendusche“!

Dann sehe ich am Waldrand wieder einzelne Bäume, sogar Baumstämme und Äste, und vorher war da einfach nur Grün. Und ja, der Klassiker: ich kann die Verkehrsschilder wieder viel früher erkennen. Alles ist so, als ob mir jemand die Augen geduscht hätte.

So eine „Augendusche“ wünschte ich mir noch viel öfter, als nur alle paar Jahre bei der Optikerin, nicht nur für die äußerlichen Augen, auch für die inneren. Ich wünschte, ich könnte damit ein bisschen was wegspülen, was meinen Blick auf andere trübt oder verzerrt.

Vielleicht würde ich dann bei der Frau, die im Workout immer neben mir turnt und so abweisend ist, mehr sehen können. Vielleicht, dass sie sich jedes Mal extrem aufrappeln muss, weil ihre Sorgen so groß sind und sie deswegen keine Kraft mehr für freundlichen Smalltalk hat. Oder bei der unfreundlichen Arzthelferin würde ich vielleicht erkennen, dass sie mit Kopfschmerzen aufgewacht ist und jetzt trotzdem irgendwie durchhalten muss.

Von allein kriege ich das meistens nicht hin, also bete ich zu Gott und bitte: „Gott spüle weg, was meinen Blick bequem und unscharf macht. Hilf mir, dass ich nicht bei dem bleibe, was ich zuerst sehe, sondern dass ich auch auf das schaue, was unsichtbar dahinter liegt. Wenn das schwer wird, dann verlass mich nicht.

Und Gott, danke, dass du selbst wie mit frisch geduschten Augen auf mich schaust. Nicht prüfend oder beurteilend, sondern mit Augen, die voller Liebe sind.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43952
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