SWR3 Gedanken
Der wichtigste Ort der Welt soll in Spitzbergen liegen – ganz oben in Norwegen.
Es ist vielleicht deshalb der „wichtigste Ort“, weil dort Saatgut aus aller Welt gesammelt wird. Schon seit fast zwanzig Jahren. Dieser Saatgut-Tresor im ewigen Eis ist so faszinierend friedlich. Denn da sind Saatkörner aus Nordkorea neben denen aus Südkorea eingelagert, und fast alle Länder der Welt haben schon Saatgutproben ihrer wertvollen Getreide-, Obst- oder Gemüsesorten dort hingebracht.
Das alles für den Fall, dass einmal ganze Kontinente zerstört werden, oder die Erde für lange Zeit unbewohnbar ist. Dann sollen unsere Nachfahren wieder an Saatgut gelangen können. Zumindest darin scheinen wir Weltbewohner uns einig zu sein: dass sich auch nach den schlimmsten Katastrophen ein Neuanfang lohnt.
Aber es reicht nicht, nur das Saatgut aufzubewahren, es braucht noch mehr. Was – das kommt in einer Geschichte zum Ausdruck. Sie ist für mich genauso hoffnungsvoll und stark wie dieser Saatgutspeicher in Spitzbergen. Die Geschichte geht so:
Ein junger Mann hatte einen Traum von einem ganz besonderen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel. Hastig fragt der Mann ihn: „Was verkaufen Sie?“ Darauf der Engel: „Alles, was Sie wollen!“ Der junge Mann beginnt aufzuzählen: „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika und … und …“ Da fällt ihm der Engel ins Wort: „Entschuldigung, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur das Saatgut.“
Das eine ist es also das Saatgut zu sammeln, das andere es in die Erde zu setzen und aufblühen zu lassen.
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