SWR3 Gedanken

08MRZ2026
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Seit ich ein einziges Foto gesehen habe, denke ich anders über das Thema Prostitution. Ich bin viel entschiedener dagegen, dass alles so bleibt wie es ist. Deswegen wähle ich heute eine der Parteien, die sich dafür einsetzen, dass Prostituierte besser geschützt werden!

Ich habe das Foto in einer Ausstellung mit dem Titel „gesichtslos“ entdeckt. Die Bilder sind noch zwei Wochen lang in Offenburg zu sehen, und entstanden sind sie in Mannheim. Dort hat der Fotograf Hyp Yerlikaya Frauen jahrelang mit der Kamera begleitet, zusammen mit der Beratungsstelle „Amalie“.

Auf dem Foto ist im Vordergrund ein 20-Euro-Schein zu sehen, angelehnt an so eine schlichte weiße Gesichtsmaske, wie man sie vielleicht von Theaterplakaten kennt. Und im Hintergrund sieht man verschwommen eine Frau stehen. Sie ist leicht bekleidet und schaut aus dem Fenster.

Ich habe dieses Foto gesehen und verstanden: wenn eine Frau als Prostituierte arbeitet, dann verliert sie ihr Gesicht, kaum jemand möchte sie wirklich sehen.

Außer den Frauen und Männern in den Beratungsstellen. Sie helfen, wenn eine Frau aussteigen möchte, auch wenn das fast nicht zu schaffen ist. 

Unter dem Foto mit dem Geldschein lese ich, was eine Prostituierte in Mannheim zu ihrem Leben sagt: „Das Schönste ist, wenn sie dir das Geld geben. Dann weißt du, du siehst sie nie wieder.“

Ich frage mich: was sind schon 20 Euro? Dafür, dass ein Mensch einen anderen Menschen nur für sich benutzt.

Auch wenn es noch so schwierig, beunruhigend oder beklemmend ist, darüber müssen wir sprechen. Und ich bitte alle Politikerinnen und Politiker, die heute gewählt werden, dass sie diese Frauen nicht vergessen!

Denn auch sie haben eine Würde und ihr ganz persönliches Gesicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43948
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