SWR Kultur Wort zum Tag

07MRZ2026
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Weil ich viel zu viel sitze, gehe ich seit einiger Zeit ins Fitnessstudio. Und ich merke, es tut mir gut. Allerdings komme ich mitunter auch an meine Grenzen. Die Muskeln schmerzen und die Kraft lässt nach. Die Trainer sagen dann immer: „Da geht noch was!“.

Einerseits stimmt es. Meistens bin ich nicht am Ende, sondern an der Stelle, an der ich die Komfortzone verlassen muss. Zwei Wiederholungen mehr. Etwas ruhiger. Ausatmen. Und tatsächlich: Über Wochen bauen sich Kraft und Kondition auf und ich staune, was plötzlich möglich ist. „Da geht noch was“ ist dann kein Drill, sondern ein freundlicher Schubs aus der Komfortzone.

Andererseits gilt auch: Der Körper hat Grenzen, und er signalisiert sie. Nicht jedes Ziehen ist „Training“, manchmal ist es auch ein Warnsignal. Darum gehört zu dem Satz im Fitnessstudio ein zweiter: Hör hin. Hör auf deinen Körper. Maß halten ist keine Schwäche, sondern Weisheit.

Das hat auch eine theologische Dimension. Es gibt Tage, da fühle ich mich innerlich wie nach der letzten Wiederholung am Gerät: müde, kraftlos. Und doch: Im Vertrauen auf Gott entdecken Menschen eine erstaunliche Ausdauer. Paulus bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“ (Phil 4,13). Manchmal ist das genau der leise Mut, den ich brauche: Nicht aufgeben. Noch einen Schritt. Noch ein Wort. Da geht noch was.

Aber Gott ist kein Trainer mit Stoppuhr, der immer nur mehr will. Er überfordert nicht, und er liebt nicht nach Leistung. Paulus hört von Christus: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2 Kor 12,9). Das ist Befreiung: Ich muss nicht beweisen, dass ich stark bin, um zu zählen.

Und dann bekommt „Da geht noch was!“ einen ganz anderen Klang. Nämlich im Blick auf Liebe und Vergebung. Wo ich denke: „Das ist vorbei, das kann nicht mehr werden“, sagt Gott: Doch. Da geht noch was. Ein Neuanfang ist möglich. Ein Schritt aufeinander zu. Und manchmal auch: mir selbst vergeben, weil Gott längst nicht aufgehört hat, mir etwas zuzutrauen.

Vielleicht ist das die beste Trainingsform des Glaubens: mutig werden, ohne hart zu werden. Grenzen achten, ohne aufzugeben. Lieben, wo es leichter wäre, abzuwinken. Und wenn heute etwas schwer wird – innerlich oder äußerlich –, dann höre ich beides zugleich: Hör hin. Und: Da geht noch was!

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