SWR Kultur Wort zum Tag
„Kommt! Bringt eure Last.“ Unter diesem Motto feiern heute Menschen in über 150 Ländern den Weltgebetstag. Die Gottesdienstordnung wird immer von Frauen verschiedener Kirchen aus einem anderen Land vorbereitet. In diesem Jahr aus Nigeria.
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Mit 230 Millionen Einwohnern, vielen Ethnien, mehr als 500 Sprachen und der jüngsten Bevölkerung weltweit, nur 3% sind über 65 Jahre alt. Was für ein Potential! Viele Kulturen, Sprachen und Religionen prägen den Alltag. Dank der Öl-vorkommen ist das Land wirtschaftlich stark, mit boomender Musik- und Filmindustrie. Allerdings sind Reichtum und Macht ungleich verteilt.
In Nigeria werden Einkäufe und Waren von Männern, Kindern, aber vor allem von Frauen auf dem Kopf transportiert. Wenn ich das sehe, staune ich immer: Wie schaffen die das? Das muss doch ungeheuer schwer sein! Und es gibt auch andere Lasten, die schwer wiegen: Angst vor islamistischen Terrorgruppen wie Boko Haram, Sorge um das tägliche Auskommen, Umweltverschmutzung durch Ölindustrie und Klimawandel führen zu Hunger. Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt sind erdrückende Lasten, die das Leben der Menschen dort schwer machen.
„Kommt! Bringt eure Last.“ Das ist die Kurzfassung einer Einladung, die Jesus im Matthäusevangelium an alle richtet, die schwer zu tragen haben: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“. Jesus verspricht nicht, dass Lasten einfach verschwinden. Aber er bietet an, sie nicht allein tragen zu müssen. Er spricht von einem Joch, das entlastet – weil es gemeinsam getragen wird. Zusammen mit ihm. Denn er trägt mit.
Vielen Menschen in Nigeria schenkt ihr Glaube Hoffnung. Am Weltgebetstag teilen christliche Frauen von dort diese Glaubenshoffnung weltweit mit – in Gebeten, Liedern und berührenden Lebensgeschichten. Sie berichten vom Mut alleinerziehender Mütter, von Stärke durch Gemeinschaft, vom Glauben inmitten der Angst. Und von der Kraft, selbst unter schwersten Bedingungen durchzuhalten und weiterzumachen.
„Kommt! Bringt eure Last.“ Das ist doch eine großartige Einladung. Einfach kommen dürfen. Mit der eigenen Last. Mit unseren Sorgen um die Welt, um andere, um uns selbst. Und darauf vertrauen, dass Gott trägt. Uns und diese Welt.
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