Begegnungen

Heute mit Martina Steinbrecher und Hannah Broß aus Achern-Fautenbach. Hannah ist in der 12ten und steckt gerade mitten in ihren Abi-Vorbereitungen. Zur Entspannung liest sie Fantasyromane oder übt sich im Bühnentanz. Und sie hat gerade den zweiten Preis im Wettbewerb „Christentum und Kultur“ gewonnen. Mit einer 40 Seiten starken Arbeit über die katholische Jugendkirche in Fautenbach. Der Preis wird jährlich von den evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg vergeben und richtet sich an Oberstufenschülerinnen. So hat auch Hannah davon erfahren: Vor gut einem Jahr ist ihre Religionslehrerin mit einem Werbeflyer in die Klasse gekommen …
… mit der Übersicht, Themen und so weiter, und hat uns halt auch eben vorgestellt, dass man damit eine mündliche Prüfung ersetzen kann und dann hat mich das dann doch interessiert.“
Weil ihr auch sofort ein Thema eingefallen ist: Die Jugendkirche, die es seit 2017 in ihrem Heimatort gibt. Die will eine neue Verbindung zwischen Christentum und Jugendkultur schaffen. Angefangen hat alles mit dem Umbau der katholischen Dorfkirche:
… und seitdem gibt es dort eben keine festen Kirchenbänke mehr, sondern Stühle. Es gibt auch noch einen verschiebbaren Altar, der ganz neugestaltet wurde. Der steht jetzt auch in der Mitte des Gebäudes. Und dann natürlich auch diese moderne technische Ausstattung …
Das Besondere sind für Hannah aber nicht nur die coolen neuen Räume, sondern …
… das Team, das dazugehört. Also Jugendliche hier aus der Gegend zwischen 14 und 27 Jahren, die auch selbst diese Aktivitäten sich überlegen und die Veranstaltungen planen und dann auch gemeinsam durchführen. Und das ist eben das Besondere, dass das von Jugendlichen für Jugendliche geplant wird.
Ein Pater, eine Pastoralreferentin und eine Gemeindepädagogin gehören zum hauptamtlichen Personal der Jugendkirche. Wenn sie zusammen mit den Jugendlichen planen und gestalten, fühlt sich auch der Gottesdienst gleich ganz anders an:
Also in so einem normalen Gottesdienst hat man vielleicht manchmal das Gefühl, man muss jetzt geradestehen und man soll lieber nicht reden und so weiter, aber das war da ganz anders. Also, es hat niemandem was ausgemacht, wenn man sich auch mal kurz mit dem Nachbarn unterhalten hat, oder es wurden vielleicht auch sogar Anlässe dafür geschaffen und eben auch Witze erzählt.
Der „Funfact“, meint Hannah, spielt in der Jugendkirche überhaupt eine große Rolle, also dass die Leute selber Lust haben auf das, was sie da veranstalten. So sind schon Spieleabende, Bälle, ein Pub-Quiz oder ein Sommerfest zustande gekommen. Alles übrigens kostenlos oder mit Essen und Getränken für wenig Geld.
Man will natürlich den Jugendlichen auch den Glauben näherbringen und auch das Erleben von Gott. Aber es geht eben auch um die Gemeinschaft, sich auch mit anderen Jugendlichen zu unterhalten, ins Gespräch zu kommen, vielleicht auch über Religion, aber auch nicht nur.
Für ihren Wettbewerbs-Beitrag über die Jugendkirche hat Hannah einige Veranstaltungen besucht und zahlreiche Interviews geführt. Sie hat aber auch kirchliche Konzeptpapiere gelesen, Statistiken ausgewertet und sich mit theologischen Fragen beschäftigt. Eine dieser Fragen ist zum Titelthema ihrer Arbeit geworden: „Heißt ‚zum Glauben finden‘ ‚zur Vernunft kommen‘?“ Die Abiturientin aus Achern hat in einer preisgekrönten Arbeit „kirchliche Jugendarbeit im Spannungsfeld von Denkanstößen und starken Gefühlen“ untersucht. Ich habe sie gefragt, wo sie sich da selber sieht. Sie zögert ein bisschen:
Wahrscheinlich würde ich sagen, ich bin eher der rationalere Typ. Ja, weil es natürlich eben doch wichtig ist, auch vernünftig zu denken.
Das steht aber für sie nicht im Gegensatz zu emotionalen Momenten oder religiösen Gefühlen. In der Jugendkirche findet sie beides in einer guten Mischung. Christlicher Glaube und jugendliche Lebenswelten treffen sich. Und was prägt jetzt die Lebenswelt von jungen Leuten?
Natürlich Schule auch, weil man da doch sehr viel Zeit verbringt. Social Media, würde ich auch sagen, weil das auch immer mehr wird und weil das auch fast jeder hat. Ja, und dann natürlich aber auch der Freundeskreis und Hobbies und Sport.
Social Media auf Platz zwei. Noch vor Freunden und Hobbies und Sport. Hannahs vielleicht eher zufällig genannte Reihenfolge passt zur aktuellen Diskussion um ein Handyverbot an Schulen. Dazu hat Hannah eine klare Meinung:
Also ich glaube, dass es auch schwierig ist, das wirklich konsequent zu machen, dass man einfach gar keinen Zugang mehr hat. Da ist es vielleicht dann wichtiger, auch einfach den Jugendlichen zu erklären, wie man am besten damit umgehen sollte, was dann vielleicht eher der richtige Weg ist.
Was für eine kluge, kritische und sympathische junge Frau! Fazit ihrer Arbeit: Die Lebenswelten von Jugendlichen ernst nehmen, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen schaffen, aber auch Freiräume zum kritischen Nachfragen und zum gegenseitigen Austausch, das hält Hannah für wichtige Ziele kirchlicher Jugendarbeit.
Weil die Kirche natürlich auch Mitglieder verliert und dann muss man die Jugendlichen auch früh ansprechen, weil, wenn man schon in der Jugend oder in der Kindheit auch keinen Kontakt hat dazu, dann ist es, glaube ich, schwieriger als Erwachsene dann überhaupt irgendwie noch einen Bezug dazu zu finden. Darum sollte man das auf jeden Fall weiter ausbauen, wenn möglich.
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