Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Machet euch die Erde untertan“ – ein Satz aus dem ersten Buch Mose, Bereschit. Oft wird er falsch verstanden: als Erlaubnis, die Welt zu beherrschen oder zu zerstören. Doch im hebräischen Originaltext steckt etwas viel Verantwortlicheres.
Dort heißt es: „Füllt die Erde, und kawschuha – macht sie euch untertan – und radu – herrscht – über die Tiere.“
Der hebräische Begriff Kawschuha bedeutet: die Welt erschließen, gestalten, in Besitz nehmen – kreativ, nicht zerstörerisch.
Radu heißt: fürsorglich leiten, wie ein Hirte. Wer schlecht handelt, macht daraus harte Herrschaft – das ist nicht G-ttes Wille.
Die Botschaft der Rabbinen ist klar: Wir sind Verwalter, nicht Eigentümer der Erde. G-tt sagte:„Ich habe die Welt um deinetwillen geschaffen – aber sei vorsichtig, sie nicht zu verderben. Denn wenn du sie zerstörst, gibt es niemanden, der sie reparieren kann.“
„Machet euch die Erde untertan“ heißt also: bewusst nutzen, schützen, bewahren, Balance halten zwischen Entwicklung und Erhalt. Verantwortung übernehmen, nicht tyrannisch herrschen.
Die Erde ist unser Auftrag, kein Eigentum. Wir sind ihre Hüter – und diese Verantwortung ist ein Geschenk und eine Pflicht zugleich.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43936