Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02MRZ2026
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Vor mehr als 50 Jahren hat Peter seinen ersten Brief an Pirjo geschrieben. Seit ihrer Schulzeit sind die beiden Brieffreunde. Er lebt hier, in der Nähe von Stuttgart, und sie in Finnland.  Bis heute schreiben sie einander, immer zu Weihnachten, und manchmal auch zwischendurch. Ihre Geschichte ist die einer ungewöhnlichen Freundschaft.

Freundschaften sind etwas Besonderes, manchmal fast schon heilig und sie können so unterschiedlich sein. Ich glaube fast jede und jeder von uns, kann da eine eigene Geschichte erzählen. Freundschaften waren zu allen Zeiten wichtig. Auch die biblischen Schreiber hatten sich darüber schon Gedanken gemacht:

"Wohl dem, der einen Freund fand und der zu Ohren sprechen darf, die hören." (Jesus Sirach, 25,9) So steht‘s im Alten Testament.

Die Freundschaft zwischen Peter und Pirjo ist ein Beispiel, wie wertvoll Freunde sind, auch dann, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht. Peter und Pirjo haben einander alles erzählt, ihre Briefe haben sie immer auf englisch geschrieben. Als sie jung waren, ging es um die erste Liebe und für welchen Beruf sie sich entschieden hatten. Später um die Kinder und um den Tod der eigenen Eltern. Zwischendurch um das, was in ihrer Heimat politisch passiert. All die Jahre wussten sie immer, wie es dem anderen geht.

Dreimal haben sie sich gesehen, einmal in Finnland und zweimal in Deutschland. Peter träumt noch immer von der Ruhe am See, wo Pirjo ein kleines Wochenendhaus hat.

Letztes Weihnachten kam keine Post aus Finnland. Zum ersten Mal. Deshalb hat Peter eine Mail an Pirjo geschrieben, gefragt, ob alles ok sei. Gemailt haben die beiden kaum, aber jetzt ist Peter besorgt und hofft, dass Pirjo antwortet.

Pirjo geht es nicht gut, sie ist krank. Sehr krank. Für ein paar Zeilen am Computer reicht ihre Kraft im Moment. Die beiden schreiben sich, wie wichtig sie füreinander gewesen sind, all die Jahrzehnte. „Sie war ein Segen“, sagt Peter, „und die Entfernung hat es mir manchmal sogar leichter gemacht, ihr von den schwierigen Dingen in meinem Leben zu erzählen.“ Und Pirjo sagt: „Ich glaube, du bist mein bester Freund.“

Peters Koffer steht bereit. Er würde morgen ins Flugzeug nach Helsinki steigen, wenn Pirjo zustimmt. Noch ist es nicht soweit. Pirjo sagt: „Es geht mir nicht gut genug, um Besuch zu empfangen - und noch nicht schlecht genug, um mich zu verabschieden. Aber, ich schreibe Dir, mein Freund.“

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