SWR4 Abendgedanken

26FEB2026
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Der römisch-katholische Pfarrer und Dichter Lothar Zenetti hat einmal geschrieben: „Frag 100 Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: die Messe. Frag 100 Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: die Wandlung. Sag 100 Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: „Nein, alles soll so bleiben, wie es ist!“

Das Zitat ist ein Wortspiel. Auf der einen Seite lebt seine Kirche in der Heiligen Messe auf die Wandlung hin. Andererseits tut sie sich mit Veränderungen doch sehr schwer.

Wenn ich mir den sogenannten Synodalen Weg betrachte, den die römisch-katholische Kirche in Deutschland vor wenigen Wochen abgeschlossen hat, dann denke ich, Lothar Zenetti lag falsch, wenigstens teilweise. Offensichtlich haben Menschen den Wunsch, dass sich etwas verändert.

Wahrscheinlich wollte Lothar Zenetti sagen, dass Menschen eher zurückhaltend sind, wenn es um Veränderungen geht. Veränderungen können weh tun. Wenn etwas neu ist, oder anders, dann ist mir das zunächst einmal fremd. Ich bin ein Gewohnheitstier und fühle mich sicher in dem, was ich kenne. Unsicher und darum zurückhaltend bin ich, wenn ich etwas nicht kenne.

Aber nicht jede Veränderung muss weh tun. Beim Tapetenwechsel im Urlaub käme wohl niemand auf die Idee, dass der weh tut. Aus dem gewohnten Alltag auszubrechen und etwas ganz anderes zu erleben ist schön und tut gut. Warum sonst sollte ich in den Urlaub fahren.

Es ist schön, wenn die Kinder klein sind und süß. Es ist aber auch schön, wenn sie größer werden, unabhängiger, selbständiger. Das entlastet uns Eltern und wir können anderen Interessen wieder mehr nachgehen. So wandelt sich manches und das ist doch auch schön.

Wenn wir in unseren Gottesdiensten von Wandlung sprechen, dann ist das für mich eine Ermutigung. Ich kann dem, was sich in meinem Leben verändert, was sich wandelt, aufgeschlossen begegnen. Denn ich glaube, dass Gott gegenwärtig ist in meinem Leben. Ich glaube, dass Gott an meiner Seite ist, egal was kommt und egal, was sich verändert. Darum muss ich vor dem, was sich wandelt, keine Angst haben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43926
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