SWR Kultur Wort zum Tag

11MRZ2026
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Jetzt, nach einem langen Winter und den tollen Tagen, war es wieder einmal nötig: Ich musste Bürgersteig und Straße fegen. Altes Laub im Rinnstein, Bonbonpapiere, ein nasses Taschentuch, Splitt vom letzten Glatteis. Was sich halt so in ein paar Wochen ansammelt. Also hab ich mir morgens einen Besen genommen und gefegt. Das Wetter war mies. Es hat geregnet. Egal, denn nach der Aktion sahen Gehweg und Straße besser aus.

Ich gebe zu, es hat mir Spaß gemacht. Frische Luft und nachher sieht alles aufgeräumt aus. Das hat was. Haben auch schon andere so gesehen. So hat man früher die Wege saubergemacht, wenn der König oder die Königin kamen. Hat Blumen, Teppiche, Umhänge auf die Straße gelegt, dass die hohen Herren und Damen nicht durch den Matsch gehen mussten.

Auch in der Bibel taucht das auf. Da macht sich Jesus nach Jerusalem auf und als er dort ankommt, legen viele Leute Kleider vor ihm auf den Weg (Lukas 19,28–40). Behandeln ihn wie einen König. Sagen: Du bist uns wichtig. Du sollst statt durch Dreck wie auf Wolken gehen.

Daran muss ich denken, wenn ich meinen Besen schwinge. Klar, hier kommen keine Könige vorbei. Aber andere Menschen. Nachbarn, Passanten, Besucherinnen, die Briefträgerin, Eltern mit Kinderwagen. Den Weg sauber machen, das kann da sagen: Ihr seid in meinen Augen wie Könige und Königinnen. Und mein gefegter Gehsteig zeigt: Du bist mir wichtig. Als Mensch.

Auch daran denke ich, wenn ich im Regen den Gehweg fege. Dass jedem Menschen Achtung zukommt. Dass vor Gott jeder Mensch ein König, eine Königin ist. Ein sauberer Gehweg kann davon erzählen.

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