SWR3 Gedanken

27FEB2026
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Uns Deutschen wird schon mal nachgesagt, dass wir ein gestörtes Verhältnis zum Essen hätten. Nicht Genuss und Lebensfreude wie in Frankreich oder Italien. Eher Pflichtübung nach dem Motto „Hauptsache satt“. Okay, das mag reichlich überspitzt sein, aber so ganz daneben ist es leider auch nicht.

Ein paar Politiker*innen in Berlin hatten eine Idee, die beide Aspekte miteinander verbindet. „Kiez-Kantinen“ in den Stadtbezirken solle es geben, mitfinanziert vom Land. Quasi öffentliche Einrichtungen, in denen man für wenig Geld gesund und abwechslungsreich essen kann. Am besten nicht in abgeranzten Speisesälen mit Plastikstühlen und Resopaltischen unter Neonlicht, sondern in schönen Räumen, in denen man sich wohl fühlt.

Ob das je umgesetzt wird? Eher fraglich. Aber die Idee find ich gut. Weil Essen viel mehr sein kann als bloßes Sattwerden. Es war ja kein Zufall, dass die frühen Christen als ihr Erkennungszeichen ein gemeinsames Mahl hatten. Erst beim Abendmahl im Gottesdienst, und danach als gemeinsames Essen an einem Tisch. Jeder durfte kommen. Ob reich oder arm, alt oder jung, konservativ oder progressiv. Essen schafft Gemeinschaft, bringt Menschen zusammen. Vielleicht bräuchte es solche Orte heute ja wieder, mehr denn je. Orte, wo jeder, auch mit sehr wenig Geld, gesund und günstig essen kann. Orte gegen den Hunger und auch gegen das Alleinsein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43910
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