SWR3 Gedanken
Wenn ich mit Menschen zu tun habe, die viel schlauer sind als ich, dann fühle ich mich immer ein bisschen kleiner als sonst. Der Intelligenz des anderen einfach nicht gewachsen. Vielleicht habe ich ja deshalb oft ein mulmiges Gefühl, wenn von Künstlicher Intelligenz die Rede ist. Und dass die in ein paar Jahren schon viel, viel schlauer sein könnte als jeder Mensch. Ein digitales Super-Brain also, dem auch die Allerklügsten nicht mehr gewachsen sind. Faszinierend und gruselig zugleich.
Allwissend und jedem Menschen haushoch überlegen? Bis jetzt war sowas eigentlich immer Gott vorbehalten. Jedenfalls so, wie sich wohl die meisten Menschen Gott vorstellen. Und nun basteln diese Menschen an einer Art gottähnlicher KI? Bei der Vorstellung muss ich jedenfalls an die uralte Erzählung vom Turmbau zu Babel denken. Auf Augenhöhe mit Gott wollten die Menschen sein, so heißt es in der Bibel. Deshalb fangen sie an, einen riesigen Turm zu bauen. Bis in den Himmel soll er reichen. Als der Turm höher und höher wird, die Menschen Gott scheinbar immer näherkommen, wird es dem dann doch zu bunt. Er bringt ihre Sprache völlig durcheinander. Ihr ambitioniertes Projekt müssen sie abbrechen. Das ist heute kaum zu erwarten.
In der Medizindiagnostik und anderen Bereichen ist künstliche Intelligenz ja auch wirklich ein Segen. Und die Entwicklung wird noch weitergehen. Bloß wohin, das weiß ich nicht. Ich weiß nur: Mein mulmiges Gefühl vor einem digitalen Superhirn, dem irgendwann kein Mensch mehr gewachsen ist, das wird bleiben.
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