SWR3 Gedanken
Zwölf Gänge mit orientalischen Köstlichkeiten. Meine Tochter und ich haben letztes Jahr in Berlin ein Restaurant ausprobiert, von dem ich schon oft gehört hatte. Das „Kanaan“. Vor 11 Jahren gegründet vom jüdischen Israeli Oz Ben David und Jalil Dabit, einem muslimischen Palästinenser. Kennengelernt haben sich die beiden erst in Berlin. Ihre Idee: Ein Hummusrestaurant. Denn der ewige Streit, wer Hummus und Fallafel, orientalische Gerichte aus Kichererbsen, eigentlich erfunden hat, verbindet beide Völker. Und genau das wollten sie auch: Beim Kochen und gemeinsamen Essen Gegensätze zusammenbringen. Ein Ort sein, wo sich im Idealfall Rechte und Linke, Homos und Heteros, Menschen verschiedenster Kulturen begegnen. Heftig gefetzt haben sich die beiden oft. Und beim Kochen dann doch immer wieder zusammengefunden. Oder, wie Jalil Dabit es sagt: „Frieden entsteht, wenn sich Leute an einen Tisch setzen und trotz der Streitpunkte, die sie miteinander haben, zusammen essen.“ „Make hummus, not war“, mach Hummus und nicht Krieg, so steht es auf einem Schild in ihrem Laden.
Ihre Idee vom Frieden durch gemeinsames Kochen und Essen wollen die beiden weiterführen. Ihr einzigartiges Restaurant am Prenzlauer Berg aber werden sie Ende Februar leider schließen. Die Krise in der Gastronomie trifft sie auch. Ich finde das jammerschade! Weil man bei Oz und Jalil eben nicht nur köstlich essen, sondern auch einem Traum nachhängen konnte. Dass Frieden zwischen ganz unterschiedlichen Menschen möglich ist. Und dass er manchmal eben einfach durch den Magen geht.
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