SWR Kultur Wort zum Tag
Vier Jahre Krieg – eigentlich zwölf Jahre schon. Vier Jahre von dem, was viele den heißen Krieg nennen – der wohl eigentlich eine Art Blitzkrieg hätte sein sollen: Kiew erobern, Ukraine zu Russland annektieren, fertig…
Das ist bekanntlich anders gekommen – und so hat sich auch das Friedensgebet geändert – in Trier und anderswo. Angefangen hatte es hier als eine Art Blitzgebet: mit Zuversicht, dass das Töten und Sterben bald aufhören soll und dass sich eine friedliche und vor allem gerechte Lösung finden kann. Wöchentlich hat sich damals eine wachsende Gemeinde im Trierer Dom getroffen. Zwei drei Monate lang. Ein bisschen eine Überforderung.
Im Sommer 2022 haben die Gruppen sich dann verabredet, zum Friedensgebet immer am 24. des Monats einzuladen – dem Monats-Tag; und zwar wirklich immer, also auch an Heiligabend und dieses Jahr an Pfingsten. Klar merken alle beim Friedensgebet, dass das Durchhalten immer schwerer wird. Wobei: alle glauben, dass ihr Beten hilft – auch wenn weiter Drohnen und Raketen und Bomben alles zerstören, was die Menschen in der Ukraine zum Leben brauchen. Der Winter mit Kälte und Dunkelheit als Kriegswaffe macht ja alles noch schlimmer im ganzen Land. Und ob endlich beide Seiten in Gesprächen auf vielen Ebenen näher an Frieden oder wenigstens Waffenstillstand kommen?
Dass Beten hilft, sehe ich jedesmal in den Gesichtern von ukrainischen Menschen, die da mitbeten und mitsingen und Kerzen anzünden und zu den Heiligenbildern in der ostkirchlichen Kapelle am Dom tragen. Und viele von ihnen sagen es auch immer wieder mal: Gut zu wissen, dass hier im Westen Menschen an ihrer Seite stehen – und dass das für sie und für uns mehr ist als nur eine Aufgabe von Politik und Diplomatie, von USAmerika und Europa: Friede und Gerechtigkeit sind auch eine Hoffnung und ein Auftrag, den Jesus Christus seinen Leuten und seiner Kirche mitgegeben hat und zu denen sie sich immer herausgefordert wissen.
Vier Jahre heißer Krieg – und die Not in der Ukraine nimmt immer noch zu. Viele beten mit um Waffenstillstand und Frieden; und viele von denen und noch mehr andere Leute sind auch sonst aktiv: Treffen geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in der eigenen Umgebung, spenden Geld oder Sachen, organisieren Hilfstransporte, hängen am Jahrestag des Kriegsbeginns ukrainische Flaggen ins Fenster… Und wir beten weiter – weil wir glauben und wissen: Es hilft wirklich!
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