SWR Kultur Wort zum Tag
Sein Vater war wohl ein Wagner, ein Wagen-Bauer also – und es war mindestens Handwerkerstolz, dass Erzbischof Willigis von Mainz ein Wagenrad in sein Bischofs-Wappen gezeichnet hat; sehr zum Spott der adligen Kollegen – aber das hat er wohl abhaben können. Er war halt „nur“ ein Handwerker-Sohn…
Was ihn aber kaum gehindert hat, einer der ganz Großen zu werden im damaligen Heiligen Römischen Reich. Er hat sogar eine Zeit lang praktisch als König regiert – zusammen mit der Mutter von Otto dem Dritten, der sein Amt vom Vater geerbt hatte, aber erst drei Jahre jung war. Ganz natürlich war das damals anscheinend – dass die Kirche und ihre Amtsträger in Staat und Politik mitmischen. Und dass sie sich damit auch in Auseinandersetzungen verwickeln ließen, die heute grotesk erscheinen mögen – aber doch ansehnliche Folgen hatten.
Erzbischof Willigis, Reichsverwalter und Reichskanzler des Königreichs, hat seinen Macht-Anspruch zum Beispiel im Bau des Mainzer Doms abgebildet. Die damals bei weitem größte Kirche nördlich der Alpen hatte den Altar im Westen stehen – wie sonst nur die Peterskirche in Rom. Und sollte den Aachener Dom ablösen als Krönungskirche der Könige. In Aachen war Willigis Persona non grata – aber als Ober-Erzbischof nahm er für sich in Anspruch, trotzdem weiterhin den König zu krönen.
Am Tag oder am Vortag der Dom-Weihe ist das riesige Bauwerk abgebrannt – heute möchte das wie ein Signal erscheinen: weg von solchen Allmachts-Phantasien, von Ansprüchen auf Macht und Recht; weg von den weltlichen Ränke- und Intrigen-Spielen. Bei euch soll es anders sein, sagt Jesus. Oder, ausführlicher, so: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein...“
Die Kirche heute darf sich schon freuen, dass Willigis den Mainzer Dom gleich wieder hat aufbauen lassen; in Mainz feiern sie heute seinen Gedenktag. Gut auch, dass viele andere schöne große ehrwürdige Kirchenbauten zum Gebet und zum Gottesdienst einladen. Viel glaubwürdiger werden Kirche und Christenmenschen in ihr sein, wenn sie für die Menschen da sind – die ganz einfachen Leute und besonders für Arme und Unterdrückte und für andere Menschen in Not.
Und wenn sie sich gelegentlich auch in Politik und Gesellschaft einmischt und sich da äußert und engagiert: sehr richtig und notwendig – aber bitte eher ohne Machtanspruch und Geltungs-Drang!
Wer groß sein will, hat zu dienen.
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