SWR Kultur Wort zum Tag
Ein Jammer: Der Fasching ist rum, die Ballsaison vorbei, und jetzt gehen morgen auch noch die Olympischen Spiele zu Ende! Auch wenn ich kein großer Wintersportfan bin, haben diese Spiele mir in den letzten zwei Wochen immer wieder Hoffnung gemacht. Hoffnung, dass es doch so etwas wie ein friedliches Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Nationen, Hautfarben, Weltanschauungen gibt. Wettstreit ja, aber eben regelbasiert, wie es sich so viele auch für die internationalen politischen Beziehungen wünschen.
Der Einzug der Nationen - fast ein biblischer Moment, denn dort gibt es auch diese Vision einer Völkerwallfahrt, in der alle Nationen friedlich an einem Ort zusammenkommen, um ihren Streit und ihre Auseinandersetzungen zu begraben. Mir haben diese Bilder gutgetan. Und auch andere olympische Momente. Da gab es diesen Eiskunstläufer Ilia Malinin. Auf Insta ist er als QuadGod unterwegs ist, als Gott des Vierfachsprungs. Wahrscheinlich würde er als erster Läufer der Welt sogar einen Fünffachsprung zeigen; schon im Vorfeld flogen ihm die Goldmedaillen zu wie die Herzen des Publikums.
Aber dann lief alles komplett schief. Er verpatzte seine Kür, sprang den Axel nur einfach, stürzte, rutschte zusehends von einem sicheren Medaillenplatz in die mittleren Ränge ab. Und was macht er? Heult, ja, das auch, aber dann geht er zu dem neuen Gewinner, der sein Glück noch gar nicht fassen kann, nicht bloß pro forma, bleibt bei ihm stehen, gibt ihm die Hand, redet mit ihm, nimmt ihn in den Arm. Das ist groß!
Und vielleicht zeigt sich, wozu ein Mensch fähig ist, im Guten fähig ist, ja sowieso viel eher im Scheitern als auf den Siegertreppchen. Das hat nicht nur der QuadGod gespürt, auch der biblische Gott hat diese Erfahrung gemacht. Die Geschichte seines Sohnes, auf den er alles gesetzt hat, geht nämlich auch ganz anders aus als seine Fans vermutet haben. Daran erinnert die kommende Passionszeit. Alle setzen große Stücke auf Jesus, dass er mit seiner charismatischen Art und seinem wirklich alternativen Lebensstil die Welt zum Guten verändert, aber dann endet alles in einem Desaster: Intrigen, Verrat, Feigheit, Spott und Hohn, ein Schauprozess, Folter und ein Todesurteil.
Sieben Wochen haben wir nun wieder Zeit, uns damit auseinanderzusetzen, welche Größe im Scheitern liegt. Dass Gott nicht auf dem Siegertreppchen landet, sondern am Kreuz. Und welch ungeheure Kraft das entfalten könnte auch für unsere eigenen Niederlagen.
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