SWR1 3vor8

22FEB2026
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Kennen Sie Uli Keuler? Leider hat der schwäbische Kabarettist im letzten Dezember seine Abschiedsvorstellung gegeben. Ich kenne viele seiner legendären Stücke auswendig und gebe Ihnen gleich mal eine Kostprobe – natürlich auf Schwäbisch:

„Ah! Des hat mr jo dies Johr wiedr soo viel brocht: Die Landschaft, des Licht, die Leit!

Mr isch a so offe fir vieles, gell? I hab jo irreweise ausgrechnet  dodurch, dass mr uff de Piazza Navona  en Satz Kaffeedasse nunnergfalle isch, schlagartig  glernt zu akzeptiere, dass sich s eigene Ich permanent verändert … wie de Kellner komme isch, han e glei gsagt, ich wars net!“

Ich war’s nicht! Dieser Satz führt uns direkt in den Predigttext für den heutigen Sonntag und mitten hinein ins biblische Paradies: Die Landschaft, das Licht, die Leute … Da sind Adam und Eva, das erste Menschenpaar. Sie haben sich versteckt, vor Gott, ihrem Schöpfer. Aber Gott, der in dieser Erzählung im Abendrot spazieren geht, kommt ihnen schnell auf die Schliche und stellt sie zur Rede. „Habt ihr etwa von dem verbotenen Baum gegessen?“ fragt er sie. Darauf Adam, wie aus der Pistole geschossen: „Die Eva war’s! Die hat mir von den verbotenen Früchten gegeben.“ Und Eva: „Die Schlange wars, die hat mich verführt!“

„Ich wars nicht!“ Anscheinend fällt es uns seit Menschengedenken schwer, Fehler zuzugeben. Auch ich kenne diesen Reflex, mich erst mal zu ent-schuldigen, wenn ich zur Rechenschaft gezogen werde. Und die Ausflüchte hören sich oft gar nicht so viel anders an als bei Adam und Eva: Da sind dann die Eltern schuld oder die misslichen Umstände. Oder die oder jene falsche Schlange, die mich mit falschen Informationen versorgt hat.

Was wäre passiert, wenn Adam und Eva damals gesagt hätten: „Gott, ja, du hast recht: wir haben von dem verbotenen Baum gegessen!“

Und was würde passieren, wenn ich öfter mal zugeben könnte: „Ja, ich hab’s verbockt! Das nehm ich auf meine Kappe!“? Vielleicht wäre das ja gar nicht so schlimm. Ja, vielleicht würde mir irrerweise ausgerechnet dadurch klar, dass ich verführbar bin, anfällig für Fehler und angewiesen auf die Fehlerfreundlichkeit anderer und ihre Vergebungsbereitschaft. Ich nehme mir vor, es auszuprobieren. Nächstes Mal sag ich: „Ich wars! Tut mir leid! Die Kaffeetassen sind kaputt, aber unsere Freundschaft soll daran nicht zerbrechen!“ Und vielleicht fühlt sich das dann ein bisschen so an wie im Paradies.

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