Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25FEB2026
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Die Geschichten der Bibel sind unendlich vielschichtig. Ich bin immer wieder überrascht, was ich alles neu entdecke, wenn ich mich in eine vertiefe.

Gerade habe ich mich mit der Geschichte vom „ungläubigen Thomas“ beschäftigt. - Das ist der, der sprichwörtlich geworden ist. Und dabei ist mir zum ersten Mal aufgefallen: Sein Unglaube ist gar kein Makel; sein Unglaube ist nur der Ausdruck verzweifelter Sehnsucht.

Thomas gehörte ja dem Kreis der zwölf Jünger an. Er gehört also zu den engsten Vertrauten von Jesus. Und als Jesus getötet wird, sind alle am Boden zerstört. Doch dann berichten die ersten Jüngerinnen und Jünger, dass sie Jesus gesehen haben, dass er auferstanden ist und lebt.

Thomas hätte gewiss alles darum gegeben, ihm auch einmal zu begegnen. Aber wenn Jesus in Erscheinung tritt, ist er nie dabei. 

Anscheinend sehen alle Jesus wieder - nur er nicht. Alle sind außer sich vor Freude - nur er nicht. Wie ausgeschlossen muss er sich gefühlt haben, wie verletzt und allein… Kein Wunder, dass er den wundersamen Begegnungsgeschichten nur noch trotzig entgegensetzt: „Das glaube ich nur, wenn ich Jesus mit meinen eigenen Augen sehe und seine Wunden mit meinen eigenen Händen anfassen kann.“

Und Jesus geht darauf ein. Eine Woche später erscheint er wieder seinen Jüngern und dieses Mal ist Thomas dabei. Jesus sieht ihn an und sagt: „Leg deine Hand in meine Wunde.“

Was in diesem Augenblick wohl in Thomas vorgehen mag? Ob er sich ertappt fühlt? Ist er beschämt...? Wir erfahren es nicht. Jesus nimmt einfach seine Hand, legt sie in seine Wunde und sagt: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Wurde je ein Zweifel ernster genommen? Da bricht alles aus Thomas heraus und er bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“ Sein Unglaube hat ihm geholfen; er hat ihm Gott nahegebracht.

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