SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

22FEB2026
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Neulich hat sonntagnachmittags heftiger Schneefall eingesetzt. Den ganzen Abend über hat es durchgeschneit, ein Ende war nicht in Sicht. So richtig Winter mit einem Mal.

Gegen 22:30 Uhr sehe ich auf Social Media, wie jemand zwei, drei Orte weiter das Foto einer eingeschneiten Nebenstraße postet. Und dazu schreibt: „Warum wird eigentlich nicht gestreut? Das kann ja lustig werden morgen früh.“

Und dann ging’s los in den Kommentaren: „Die denken halt, man kann auch auf dem Schnee fahren“, schreibt jemand. Ein anderer berichtet, er sei gerade eine halbe Stunde zur Arbeit gefahren – „war Horror“. Und noch jemand meint, auch die Hauptstraßen seien noch nicht geräumt – vor vierzig Jahren habe das immer funktioniert. Plötzlich waren da alle möglichen Behauptungen und Beschuldigungen.

Und ich bin ins Grübeln gekommen, woher diese Anspruchshaltung eigentlich kommt. Dass die Kommune, in der ich lebe, jedes kleine Alltagsproblem binnen Stunden aus dem Weg räumen soll für mich. Und warum die Emotionen so hochkochen, wenn nicht sofort alles perfekt funktioniert und geregelt wird. Ob es nun ums Schneeräumen geht, um die Müllabfuhr, Schule – geschimpft ist oft sehr schnell.

Ich denke: Natürlich funktioniert nicht alles so, wie es vielleicht sollte. Andere Sachen laufen dafür um so besser. „Suchet der Stadt Bestes“ heißt ein Ratschlag, der in der Bibel zu finden ist [Jeremia 29,7; Luther-Übersetzung]. Und das könnte doch heißen: Alles mit etwas mehr Gelassenheit und Ruhe anzusehen. Schon auch zu kritisieren, wenn etwas nicht klappt, aber vielleicht mit weniger Anspruchshaltung. Und auch zu sehen, was gut läuft.

Deshalb habe ich mich gefreut, dass es unter dem Foto und seinem Spruch auch noch andere Reaktionen gab: Jemand hat darauf hingewiesen, dass die Räumarbeiten übergreifend koordiniert werden – und dann nicht jede einzelne Nebenstraße in den Blick nehmen können. „Während es noch schneit, ergibt Räumen nicht viel Sinn“, hat ein Hinweis gelautet. Jemand hat erwähnt: „Vor vierzig Jahren bin ich mal mit dem Bus im Schnee steckengeblieben – da war auch nicht alles geräumt …“ Und dann stand da noch, vielleicht am Wichtigsten: „Danke allen Mitarbeitenden im Winterdienst!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43883
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