Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wer ist der oder die Beste? Wer kann am schnellsten auf Skiern laufen, am weitesten von der Schanze springen, am schönsten auf dem Eis tanzen und den Puk am häufigsten in das kleine Tor schießen? Zwei Wochen lang ging es jetzt jeden Tag um diese Fragen. Morgen ist damit erstmal Schluss, denn morgen enden sie, die Olympischen Winterspiele in Italien.
Wer bei Olympia gewinnt, den Sprung auf das Treppchen schafft, der hat einen Platz im Olymp – im Götterhimmel der Sportler - sicher. Aber im wirklichen Himmel, dem Himmel, um den es Jesus geht, ist er deshalb nicht gelandet. Da gelten andere Gesetze: Da werden die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein. Das klingt jetzt vielleicht nach einer billigen Vertröstung: Nach dem Motto: Mach Dir nichts draus, wenn Du hier auf Erden zu den Verlierern gehörst, im Himmel zählst du dafür zu den Gewinnern. Aber Vertröstung ist das nur, wenn man glaubt, dass der Himmel da oben und die Erde hier unten nichts miteinander zu tun hätten. Das ist aber nicht die Botschaft Jesu. Er betont immer wieder: Der Himmel, das Reich Gottes, hat hier auf der Erde zu beginnen. „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt 6,33) fordert er von seinen Leuten. Anders ausgedrückt: Versucht immer wieder ein Stück Himmel auf die Erde zu holen. Stellt die Verlierer in den Vordergrund, kümmert euch um die, die nicht zu den Gewinnern gehören, dann passiert Himmel auch auf der Erde. Das ist seine Botschaft.
Also: Morgen bei der Abschlussveranstaltung bitte auch den Verlierern klatschen. So kommt auch ein bisschen Himmel dahin, wo Olympia morgen endet: In die historische Arena di Verona.
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