Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Immer wenn ich mal wieder mit dem Computer nicht klar komme, profitiere ich von dem vierten Gebot in der Bibel: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Dann nämlich rufe ich meine erwachsenen Kinder an und die ehren mich, ihren alten Vater, in dem sie mir helfen, mit dem Computer klar zukommen. Denn in Sachen Computer haben wir die Rollen schon lange getauscht. Ich helfen nicht ihnen, sondern sie helfen mir.
Das Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, ist genau für diesen Fall geschrieben. Denn die Zehn Gebote richten sich nicht an unmündige Kinder, sondern an mündige Erwachsene. Menschen, die voll im Leben stehen und die ihre altgewordenen Eltern unterstützen sollen.
In biblischen Zeiten bedeutete dieses „ehren“ ganz konkret: Du sollst für deine alten Eltern sorgen. Dich darum kümmern, dass sie genug zu essen und zu trinken und ein Dach überm Kopf haben. Menschen, die keine Kinder hatten, haben häufig mit jungen Erwachsenen Adoptionsverträge abgeschlossen und darin stand dann: Ich adoptiere dich, mach dich zu meinem Erben und dafür sorgst du für mich, wenn ich alt bin.
Heute haben wir dafür die Rentenversicherung. Aber das biblische Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, ist deshalb nicht überflüssig. Denn selbst wenn ich finanziell abgesichert bin, eine gute Rente bekomme, brauche ich doch irgendwann die Hilfe der jüngeren Generation. Die Sache mit dem Computer ist ja erst der Anfang. In einigen Jahren werde ich vielleicht viel wichtigere Dinge nicht mehr selbst regeln können. Vom Essen kochen, über Treppen steigen bis hin zum Lesen und Schreiben. Dann hoffe ich, dass meine Kinder, Enkel, Neffen, Nichten oder sonst wer von den Jüngeren bereit ist, mich mit seiner Sorge zu ehren.
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