Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Die Närrinnen und Narren sind los! Heute am Rosenmontag ist ihr höchstes Fest. In Mainz und an vielen anderen Orten in Rheinland-Pfalz feiern sie auf den Straßen, vor allem bei den Fastnachtsumzügen. Zu sehen dort auch: die Freiheit der Närrinnen und Narren, die Narrenfreiheit. Die Freiheit nämlich, Mächtige zu kritisieren oder auch, sich über sie lustig zu machen. An manchem Kostüm ist das zu beobachten. Vor allem aber: an den Themenwagen bei den großen Umzügen. Da wird ein Oberbürgermeister oder ein Bundeskanzler auch mal kräftig durch den Kakao gezogen.
Eine lange Geschichte hat diese Narrenfreiheit: Früher hatte der Narr am Hofe des Königs quasi als Einziger das Recht und die Möglichkeit, den König zu kritisieren, ohne seinen Kopf zu riskieren. In Mainz zum Beispiel gehen manche bunten Fastnachtstraditionen und -uniformen zurück auf die Kritik an Napoleon, der einst die Stadt besetzte.
Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem Kritik an den Mächtigen heute ohne Probleme möglich ist. Wir leben ja nicht in einer Meinungsdiktatur, wie manche behaupten. Wir leben in einem Land, in dem wir vielleicht für unsere Meinung schräg angeschaut und kritisiert werden. Das ist ok, das gehört dazu. Aber wir kommen nicht ins Gefängnis, wenn wir Kritik üben an Herrschern, wie in anderen Ländern. Ich muss da zum Beispiel an den Wagenbauer des Düsseldorfer Karnevals denken, dem in Russland der Prozess gemacht wird, weil er Putin kritisiert hat.
Wie gut also, dass bei uns in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht – und Narrenfreiheit. Wir können auf die Straße gehen und zeigen, wer wir sind, und sagen, was wir denken. Allen Närrinnen und Narren wünsch ich dabei heute viel Spaß!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43867