Begegnungen

15FEB2026
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Barbara Holtmann und Christine Wüst-Rocktäschel

Anne Waßmann-Böhm trifft  Barbara Holtmann und Christine Wüst-Rocktäschel

Ich bin mit den beiden an der katholischen Kirche St. Marien in Sporkenheim verabredet. Sporkenheim ist der kleinste Stadtteil von Ingelheim. Und dank der beiden Frauen verbirgt sich in ihrem Kirchlein eine Überraschung. Seit Mai letzten Jahres ist St. Marien nämlich eine Medienkirche, ausgestattet mit Soundsystem und Lichtanlage. Wir gehen also hinein, und Christine Wüst-Rocktäschel zeigt mir das Schaltpult gleich hinter der Eingangstür. Damit kann ich als Besucherin Licht und Ton selbst steuern, erklärt sie mir:

Wir haben Strahler, die zum Beispiel dann eben nur den Tabernakel illuminieren oder nur die Kreuzszene hinter dem Altar. Das System erlaubt regelmäßige Updates, je nach geprägter Zeit, also beispielsweise in der Adventszeit auf Weihnachten zugehend. Es gibt sogar die Möglichkeit, dass man individuell eigene Texte einspielt,  im Grunde genommen sind der Kreativität und Flexibilität da wenige Grenzen gesetzt.

Das probiere ich gerne aus. Experimentiere mit Lichtstimmung, Musik, Meditationen, Gedichten. Und Christine Wüst-Rocktäschel erklärt begeistert:

Es gibt sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die Kirche so individuell zu gestalten, wie man das gerade braucht, wenn man hier hineinkommt. Also es gibt sehr ruhige Texte, die man dann eben mit unterschiedlichem Licht auch genießen kann und sich dann im Nachhinein auch seine eigenen Gedanken dazu machen kann. Da haben wir eine Auswahl klassischer Musik, aber auch modernere Musik. Manchmal ist es aber, glaube ich, auch dran, dass man einfach nur die besondere Stimmung des Lichtes genießen kann.

Die Idee für die Medienkirche hat Barbara Holtmann von einem Ausflug mitgebracht. Sie ist Sporkenheimerin und mit „ihrer“ Kirche St. Marien von Kindesbeinen auf tief verbunden:

Ja, wir waren mit Freunden wandern und sind dann in Dilsberg in eine Kirche gegangen während der Wanderung und dort war dieses System installiert. Und ich fand das so schön, das hat so gutgetan, während der Wanderung einen Ort der Ruhe zu finden. Wir waren ganz begeistert danach und mein Mann hatte eigentlich die Idee gehabt: Wäre das nicht was für unsere Kirche?

Wieder Zuhause erzählt sie Gemeindereferentin Christine Wüst-Rocktäschel davon, die als Koordinatorin der Pfarrei für die Kirchenentwicklung vor Ort zuständig ist. Und auch sie war sofort davon überzeugt: Diese Idee müssen wir umsetzen:

Die Idee, unsere Gebäude zu öffnen und Menschen einzuladen, die eben den Weg zum traditionellen Gottesdienst nicht mehr suchen und finden, hat mich sehr begeistert. Diese Kirche wird noch traditionell mit Gottesdiensten bespielt, aber eben nur noch zweimal im Monat und insofern bietet sie sich auch hervorragend dafür an, in der übrigen Zeit als Rastplatz für die Seele genutzt zu werden.

Seit ihrem Umbau entwickelt sich in der kleinen Dorfkirche ein ganz neues Leben, zum Beispiel wenn Kinder den Kirchenraum erobern, wie mir Christine Wüst-Rocktäschel erzählt :

Wir haben Gesänge, Lieder für Kinder zum Mitmachen…denn wir laden auch beispielsweise die Schulen ein, sich hier mal hinzubegeben mit Kindergruppen und dafür gibt es ein Extra Angebot. Es gibt eine sogenannte Kinderkiste, da ist ein kleiner Orientierungs- und Entdeckungsweg durch die Kirche drin…

Auch für Einzelbesucher steht die Medienkirche jeden Tag der Woche offen. Und Barbara Holtmann hält sich gerne auch selbst hier in der Kirche auf mit eigener Lichtstimmung und Musik:

Wenn man sich in die Kirche setzt und über das Leben, über Gott, über seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen nachdenkt, meditiert oder einfach ein Lied hört, dann ist es ja auch eine Form von Gottesdienst.

St. Marien hat sich verändert und entfaltet eine neue Anziehungskraft für die Menschen:

Es gibt eine große Offenheit, hierher zu kommen und diesen besonderen Raum zu nutzen, zum miteinander ins Gespräch kommen, aber auch dazu, einen kleinen Gottesdienst hier zu feiern. Im Dezember gab es hier eine Floristikausstellung, das ist auch eine Nutzung, die man in einer herkömmlichen Kirche so oft nicht hat.

Und heute, am Fastnachtssonntag in Rheinhessen – wie gestaltet Barbara Holtmann sich heute ihre Kirche?

Naja, ich habe in der Blumendeko einen gemischten bunten Tulpenstrauß und ich würde mir dann den Regenbogen-Scheinwerfer anmachen und den Bibelrap hören.

Wenn Sie wissen wollen, wie der Bibelrap klingt oder sich einfach mal einen Kirchenraum so gestalten möchten, dass Sie in Ruhe nachdenken können übers Leben, über Gott und die Welt, dann sind Sie herzlich eingeladen:

Die Medienkirche ist jeden Tag geöffnet, in der Regel morgens ab 8 Uhr bis etwa 18 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43853
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