SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
"Was soll denn schon passieren?" Wir waren als Reisegruppe unterwegs. 30 Leute unterwegs in einem Land, dass wir nicht kannten. Und einer mittendrin: mein Freund, der als Guide und Organisator alles im Blick behalten sollte.
Nur: Nicht immer wusste er, wo es langgeht. Und das hat er ziemlich gut versteckt. Mal war ein Weg gesperrt, mal fehlte das Navi-Signal, mal liefen wir in die völlig andere Richtung. Und trotzdem hat er nie die Nerven verloren. "Was soll denn schon passieren?", hat er dann gesagt, mit einem Lächeln und leichtem Schulterzucken. Und erstaunlicherweise: Es ist nie etwas Schlimmes passiert.
Wir sind zwar nicht immer auf dem geplanten Weg gewesen, aber wir sind angekommen. Manchmal später, manchmal anders. Aber nie verloren. Das hat mich beeindruckt: Diese Ruhe, diese Haltung. Und das Zutrauen, dass wir trotzdem gut durchkommen.
Mit der Zeit hat sich das auf mich übertragen. Ich hab gemerkt: Wir kommen irgendwie durch. Und oft sind genau die Momente, in denen nicht alles rund läuft, die schönsten. Weil sie echt sind. Und weil wir miteinander Lösungen finden.
So wie damals, als wir aus Versehen bei einer Olivenernte landeten - und uns jemand spontan etwas zu trinken angeboten hat. Es war nicht vorgesehen, aber es war einer der besonders schönen Momente dieser Reise.
Ich denke oft an diese Reise zurück. Weil ich auch im Alltag so oft alles im Griff haben will. Beruf, Familie, Termine, To-dos. Ich möchte vorbereitet sein. Und merke gleichzeitig: Ich kann nicht alles planen. Es kommt anders – oft. Und dann tut mir der Gedanke gut: Was soll denn schon passieren?
Für mich hat das ganz viel mit Vertrauen zu tun. Darauf, dass ich verbunden bin – mit den Menschen, mit denen ich unterwegs bin. Mit dem Leben. Und – ja – auch mit Gott. m Sinne von: Ich bin nicht allein. Ich bin getragen. Und ich darf darauf vertrauen, dass ich nicht aus der Welt falle, wenn mal was schiefläuft.
Ich glaube, das ist die eigentliche Kunst: offen zu bleiben. Für Begegnung. Für Überraschung. Für das Gute, das sich nicht planen lässt.
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