Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20FEB2026
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„Das wirst du mir nicht glauben, was ich gerade erlebt hab…“ – so fangen manchmal Geschichten an. Und ich gebe zu: Ich liebe solche Sätze. Weil sie mich neugierig machen. Weil sie etwas in Bewegung setzten. Und weil sie zeigen, da hat jemand etwas erlebt, das ihn nicht mehr loslässt.

Ich höre gern zu, wenn Menschen erzählen. Und ich merke dabei immer wieder: Geschichten sind nie neutral. Sie sind persönlich, subjektiv und oft berührend.

Geschichten haben Macht. Sie prägen unser Bild von der Welt – und voneinander. Sie helfen uns, zu verstehen, was passiert. Und manchmal, da können sie Menschen auch verbinden.

Aber eben nicht nur.

Ich habe auch erlebt, wie Geschichten trennen können. In Diskussionen über Politik. Im Familienchat. Oder wenn jemand über „die Politiker“ oder „die Ausländer“ redet – und dabei gar keine echten Menschen meint, sondern nur ein Feindbild.

Dann wird das Erzählen eng: Da gibt’s nur noch „wir“ und „die“. Wer so erzählt, sucht keine Lösung, sondern Zustimmung, Loyalität, Zugehörigkeit. Und Abgrenzung.

Ich habe gelernt: Geschichten müssen nicht wahr sein, um sich wahr anzufühlen.

Genau das macht sie so wirksam – und manchmal auch gefährlich. Deshalb frage ich mich öfter: Wer kommt in dieser Geschichte eigentlich vor? Wird jemand ausgeblendet? Oder klein gemacht? Wird jemand als Bedrohung dargestellt, ohne selbst zu Wort zu kommen?

Wir sind verantwortlich. Für die Geschichten, die wir erzählen. Und dafür, wie wir sie erzählen. Ob sie Verständnis wecken – oder verfestigen, was trennen soll.

Mich inspirieren da die Gleichnisse von Jesus. Weil sie nicht einfach schwarz-weiß sind. Weil sie Platz lassen. Für Wendungen, für Umdenken, für neue Sichtweisen.

Sie drängen sich nicht auf – aber sie fordern heraus. Und manchmal bringen sie genau die ins Licht, die sonst übersehen werden.

So möchte ich auch erzählen.

Nicht endgültig, sondern so, dass man weiterdenken kann.

Ich möchte Geschichten erzählen, die ehrlich sind – nicht glattgebügelt. Und doch offen für Hoffnung.

„Das wirst du mir nicht glauben…“ – so fängt eine Geschichte an, die neugierig macht. Und manchmal endet sie damit, dass sich der Blick auf einen Menschen verändert.

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