SWR Kultur Wort zum Tag

13FEB2026
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An einer Kirche habe ich ein großes Banner gesehen, darauf stand: „Liebe Tauben, wenn ihr weiterhin euer Geschäft hier verrichtet, suchen wir uns ein anderes Friedenssymbol.“ Die Restauratoren haben es wahrscheinlich mit einem Augenzwinkern am Gerüst aufgehängt. Das Image von Tauben ist ja nicht das beste: füttern verboten, nirgends will man sie haben, und von ihren Lieblingsplätzen werden sie mit Netzen und Metallstäbchen ferngehalten. Auf der anderen Seite sind sie das große Symbol für Frieden – egal ob an Wände gesprüht oder auf Flaggen. Und gerade jetzt, wo wir so weit vom Frieden entfernt sind wie lange nicht mehr, bringen viele dem Symbol große Wertschätzung entgegen.

 

Seit Urzeiten schon ist die Taube das Symbol für Hoffnung. Seit der Erzählung von der „Arche Noah“. Noah erhält den Auftrag von Gott, ein großes Schiff zu bauen. Damit sollen er und seine Familie vor der großen Sintflut gerettet werden. Mit an Bord sind ein Haufen Tiere, unter anderem auch Tauben. Als alles unter Wasser steht, schickt Noah immer wieder eine als Kundschafterin los. Er möchte wissen, ob irgendwo schon Land aus dem Wasser ragt. Als eine Taube endlich mit einem Olivenzweig im Schnabel wiederkommt,  da weiß er: „Der Pegel fällt, sie hat Land gefunden.“

 

Nach dem zweiten Weltkrieg hat Pablo Picasso eine Taube mit einem Zweig im Schnabel für ein Friedensplakat gemalt. Und seitdem ist die Taube vom Zeichen der Hoffnung zum Zeichen für den Frieden aufgestiegen.

 

Hoffnung und Frieden hängen ja unmittelbar zusammen. In vielen Umfragen kommt heraus, dass die Menschen auf nichts so sehr hoffen wie auf den großen Frieden, den Weltfrieden. Diese Hoffnung scheint uns geradezu eingepflanzt zu sein - auch wenn sie immer wieder enttäuscht wird.

 

Aber genau diese tiefe Sehnsucht nach Frieden, die macht mir Mut. Menschen hoffen trotz allem auf den Frieden, sie demonstrieren für ihn, sie beten für ihn, sie engagieren sich in Gruppierungen, und viele fangen im Kleinen an: jemandem die Hand reichen, Argumente austauschen, ein Gespräch anbieten, vermitteln oder die Wogen glätten. Wenn all das beharrlicher und stärker ist als die größenwahnsinnigen Ideen der Kriegstreiber unserer Tage, dann könnte es etwas werden mit unserer großen Sehnsucht nach dem Frieden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43842
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