SWR1 3vor8
„HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ist das nicht schön? Ein wunderschöner Text; aus einem alten Gebet der Bibel– aus Psalm 36.
Ehrlich gesagt: im ersten Moment denke ich bei dem Psalm gar nicht so sehr ans Beten. Ich muss eher an eine Fahrt durch die Berge denken, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Oder an meinen letzten Spaziergang übers freie Feld: an frische Luft, an einen weiten Himmel und weiße, luftige Wolken.
„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ – da geht der Kopf doch fast unwillkürlich nach oben. Und ich denke, genau deswegen ist es eben doch ein Gebet: weil man aufatmet. Der Druck lässt nach. Und auch wenn meine Sorgen – überhaupt Nöte und Ängste - nicht einfach so verschwinden –im Gebet höre ich, spüre ich: Gott ist größer als diese Sorgen, weiter, tiefer. Im Psalm selbst klingt das so:
„Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.“
Gottes Gerechtigkeit – die reicht von der höchsten Bergspitze bis hinunter in die tiefste Tiefe! Meinen kleinen Horizont sprengt das bei weitem. Und im Gebet höre ich, spüre ich: Nichts, was wir Menschen anrichten oder woran wir leiden kann Gott etwas anhaben. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen.
Ja: „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ Trotzdem gibt es auch Tage, da bleibt mein Himmel grau – trotz dieser Worte. Ich werde nicht automatisch zuversichtlich, wenn ich Psalm 26 spreche. Bete ihn an solchen Tagen aber trotzdem gern. Ich sehne mich danach, aufzuatmen. Und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich der Himmel wieder weit über mir spannt.
An den grauen Tagen spreche ich die Worte des Psalms gern noch ein bisschen weiter. Denn weiter heißt es da:
Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (Psalm 36, 6-10)
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