SWR3 Gedanken
Meine Freundin ist dieses Jahr zu einem Familientreffen in die USA eingeladen. Aber wird vermutlich nicht in die USA reisen. Sie ist Tochter asiatischer Eltern. Und das kann man ihr auch ansehen. Und deshalb hat sie Angst.
Die US-Bundesbehörde ICE ist zuständig für die Einwanderungs- und Zollkontrollen – und aktuell sind die Medien voll von Berichten und Bildern, in denen zu sehen ist, dass diese Behörde massive Menschenrechtsverletzungen begeht: harte Abschiebungen, Inhaftierungen unter unwürdigen Bedingungen, brutale Methoden und allem voran: rassistisches Profiling.
Mich macht das unglaublich wütend. Denn wir reden hier ja nicht über abstrakte Politik, sondern über Menschen. Über Körper, Hautfarbe und Gesichter, die offenbar ausreichen, um Menschen unsicher zu machen und ihr Leben zu bedrohen.
Ich frage mich, wie das für die Menschen sein muss, die plötzlich spüren: Die Gesellschaft, in der ich lebe, betrachtet mich misstrauisch – nur weil ich anders aussehe. Und nein: Das ist kein „amerikanisches Problem“. Diese unsichtbare Linie zwischen „wir“ und „die anderen“, zwischen vertraut und fremd, zwischen willkommen und ausgeschlossen – die spüren Menschen, wie meine Freundin, jeden Tag, auch hier. Und dafür reicht allein, anders auszusehen.
Ich möchte Menschen wie meine Freundin nicht allein lassen. Ich werde nicht aufhören, ihr zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen. Denn ich kann mich frei entscheiden, auf welcher Seite ich stehe. Und ich stehe auf der Seite derer, die keine Angst haben sollten, und sie trotzdem tragen müssen.
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