SWR3 Gedanken
Die anderen haben irgendwie ihr Leben besser im Griff. Das denke ich mir wirklich richtig oft. Wenn ich sehe, wie gut andere Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen. Ganz zu schweigen davon, wie es ist, auf Insta die Bilder und Reels von aktiveren oder gelasseneren Menschen zu sehen.
Ja, die anderen haben ihr Leben auf jeden Fall besser im Griff.
Ich weiß: Ich sehe nur Ausschnitte der Anderen, auch sie hadern und zweifeln. Und trotzdem: Während ich mich vergleiche, verliere ich langsam den Blick für das, was eigentlich da ist. Für meinen eigenen Rhythmus. Für das, was ich kann und habe. Für die Menschen und die Liebe, die sich in meinem Leben fest eingenistet haben.
Deshalb übe ich immer wieder, aus diesem ständigen Vergleichen auszusteigen. Nicht aus Überlegenheit, sondern aus Erschöpfung. Und dabei hilft mir besonders meine Freundin. Wenn wir zusammen sitzen, erzählen wir uns, was gerade wieder schiefgeht, und lachen gerne und verzweifelt drüber. Über unser Chaos und diesen Eindruck, dass alle anderen ihr Leben besser im Griff haben. Spoiler: Haben sie natürlich nicht. Oder nicht mehr als wir. In diesem Moment wird mir dann immer klar: Es ist gar nicht nötig, alles im Griff zu haben. Wichtig ist nur zu spüren: Ich bin gut so, mit all dem Chaos, das eben zum Leben dazu gehört. Ich bin genug.
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