SWR Kultur Wort zum Tag

11FEB2026
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Lourdes ist für viele ein Begriff. Das kleine Örtchen an den französischen Pyrenäen ist für unzählige Menschen zum Wallfahrtsort geworden. Immer noch fahren ganze Züge von Kranken dorthin, um Heilung zu erbitten. Das mag manchen komisch oder abergläubisch vorkommen, aber wer einmal in die Gesichter der Kranken in ihren Rollbetten und -stühlen geschaut hat, wer eine der großen Lichterprozessionen zur Grotte mitgemacht hat, wird das so leicht nicht vergessen. Wie viel menschliches Leid sich da zusammenfindet und nicht verstecken muss, wie viel Lebenstapferkeit auch und Hoffnungskraft. Lourdes ist ein Ort voll heilender Energie und spiritueller Kraft geworden. Und das kam so.

Genau heute vor 168 Jahren hatte ein 14-jähriges Hirtenmädchen dort eine Vision, und die mehrere Tage hintereinander. Diese Bernadette Soubirous sah beim Schafehüten eine weiße Lichtgestalt, sie hörte sich angesprochen von dieser „Dame“.  Sie solle da im Felsen nach einer Wasserquelle suchen, einem Ort der Reinigung, Erfrischung und Stillung also. Ein junges Mädchen in der Pubertät das nicht lesen und schreiben kann, offensichtlich äußerst empfänglich für das Geschehen in ihr und um sie herum, sieht das Bild einer anderen Frau, weiß wie ein leeres Blatt, äußerst anziehend  wie ein Ideal, sprechend mit einem klaren Auftrag. Nur Bernadette selbst sieht und hörte diese Frau. Und die bittet, die Menschen sollten doch zahlreich zu dieser Quelle kommen, in Gebet und Umkehr und mit der Bereitschaft zu Erneuerung und Wandlung. Bald dann gibt sich die faszinierende Frauengestalt   als Maria zu erkennen – und das mit einem Ehrentitel, den der Papst vier Jahre zuvor sogar  als Dogma formuliert hatte: Unbefleckte Empfängnis, höchste Erwählung , als Mutter Jesu von Anfang an frei von aller Sünde und Mutter aller Glaubenden. Im Rückblick erstaunt schon, dass das ungelehrte Bauernmädchen passgenau das römische Dogma ins Bild gesetzt sieht. Entscheidender ist jedoch, was Bernadettes religiöse Erfahrung auslöst. Nicht die vielen Heilungen sind das Erstaunlichste. Viel bewegender noch ist die Sehnsuchtsbewegung so vieler Menschen hin zur Quelle des Lebens, zur Heilkraft des Glaubens – ganz im Sinne des tiefsinnigen Gebetes: „Gegrüsset seist du Maria, voll der Gnade ...“

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