SWR Kultur Wort zum Tag

10FEB2026
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Schaut man in den liturgischen Kalender, so trifft man heute auf eine Frau, von der wir praktisch nichts wissen. Scholastika heißt sie, schon das klingt wie ein Kunstname.  Warum da also nachforschen und sich mit einer Frau beschäftigen, die vor bald 1500 Jahren verstorben ist, vielleicht mehr der frommen Einbildungskraft entsprungen als der historischen Realität. Nun, Scholastika war die Schwester des heiligen Benedikt, und von ihm haben wir einen der größten spirituellen Texte der Christenheit, und nicht nur Texte. Er gilt als Gründergestalt des abendländischen Mönchtums, die Benediktsregel ist ein Weisheitsbuch der Extraklasse, vor allem für das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen doch mit demselben Ziel, nämlich Christen zu werden und Gottes Schöpfung zu bewahren und zu pflegen. „Beten und Arbeiten“, lautet ihr Lebensprogramm, genau durchbuchstabiert. Es ist keine Übertreibung: ohne diesen Benedikt und seine Klöster gäbe es unser Europa nicht, seine Kunst und Kultur. Was wäre z.B. Deutschland ohne die Klöster der Reichenau damals, ohne Maria Laach oder die Schotten in Wien und Regensburg, ohne den Mönch Martin Luther – ein gewaltiges Netzwerk christlicher Klöster und monastischer Initiativen, die letzten 1500 Jahre lang bis heute.

Und es waren keineswegs nur Männer. Sehr früh schon bildeten sich auch weibliche Ordensgemeinschaften, ganz im Sinne der Benediktsregel. Eine der bekanntesten ist Hildegard von Bingen. Wie bezeichnend ist es deshalb, dass der erste Erzähler von Benedikts Leben ihm auch eine Schwester zur Seite stellt, eben Scholastika. Ihr Name ist Programm: da steckt das griechische Wort  „sholä“ drin, also Muße und Kontemplation, oder anders übersetzt: sich von Gott lieben lassen und darauf kreativ regieren, mit Aktion und Kontemplation.  „Betern und Arbeiten“, lautet das Motto, und zwar gleichermaßen für Frauen und Männer. Von Scholastika heißt es sogar, „sie war einflussreicher als ihr Bruder, weil ihre Liebe größer war“. Sie trägt das Wort „Kontemplation“ schon im eigenen Namen. Scholastika wie Hildegard wären heute sicher bei denen, die sich für eine Transformation der Männerkirche einsetzen, Powerfrauen für eine geschwisterliche Gemeinschaft und Welt.

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