SWR Kultur Wort zum Tag

09FEB2026
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Endlich ist es so weit: vor einer Woche wurde in München das Verfahren zur Seligsprechung von Alfred Delp eröffnet. Längst wird der Jesuit von vielen verehrt und geschätzt – als Widerstandschrist, als Vordenker eines von Hitler befreiten Deutschland, vor allem aber als mutiger Glaubenszeuge und überzeugender Christenmensch. Seine Schriften, besonders die aus dem Nazigefängnis, sind eine Fundgrube geistlicher Inspiration, Tag für Tag mit Gewinn zu lesen.

E i n e r  von Delps Gefängnistexten wird besonders oft zitiert, aber selten als Kurzfassung seiner Biografie gelesen. Delp schreibt: „Innerlich habe ich viel mit dem Herrgott zu tun und zu fragen und dranzugeben. Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen...Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“ Mit diesem Brieftext lässt sich Delps eigener Weg buchstabieren: früh bei den Jesuiten eingetreten, war er ein wissbegieriger und lebenshungriger Christenmensch. Ein Glaube nur für das Jenseits war nichts für ihn, bloß Tradition und Rückwärtsblick auch nicht. Nein, dieser Delp, lange als Journalist tätig, war heißhungrig nach Welt, da gilt es sich einzumischen, da quillt uns die Gegenwart Gottes entgegen – wenn wir nur konsequent sind und die Verhältnisse ins Gebet nehmen. Aber wie oft bleiben wir in den schönen und schweren Stunden hängen. Wie sehr spricht er auch da aus eigener Erfahrung. Immer wieder prüft er seine eigenen Motive, scharf kritisiert er seine Kirche, weil sie zu oft nur Eigeninteressen verfolge.

Wegen des Widerstandes gegen Hitler kam Delp ins Gefängnis: da findet er jene innerste Freiheit hinein, die ihm Widerstand und Ergebung schenkte. „Beten und glauben. Danke“. So steht auf seinem letzten Zettel, und auf dem Weg zur Hinrichtung sagte er dem Pfarrer: „In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie“.  Er hatte den Brunnenpunkt seines Lebens gefunden. Und nun gehört er zu unseren Vorgängern im Glauben, mehr als ein Jahresbegleiter.

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