SWR Kultur Wort zum Tag
Ich lese gerade ein Buch von Michael Sommer und Stefan von der Lahr – zwei Kenner der antiken Geschichte. Sie haben 1.500 Jahre beleuchtet - unter der einen Perspektive: „Die verdammt blutige Geschichte der Antike“.* So Blutiges ist eigentlich nicht mein Ding. Aber dieser Stoff hat etwas Tröstliches. Und eine starke Verbindung zur Bibel. Aber der Reihe nach.
Viele haben jetzt Angst vor der Zukunft. Ich auch. Und fragen sich: „Wie können wir, wie können unsere Kinder und Enkel, das alles in Zukunft ertragen? Solche tiefen Spannungen und Krisen hatten wir noch nie. Wir hatten es ja noch einfach. Aber, was kommt...?!“
In der Tat sind die Verhältnisse auf dieser schönen Erde mächtig ins Wanken geraten. Jetzt spürbar auch für uns. Despoten und Diktatoren, Multimilliardäre und selbsternannte Weltretter erschüttern Völker und Kontinente. Sie wecken Ängste und spielen damit. Aber ist das wirklich neu? Oder sind wir jetzt an einem Punkt - an dem schon viele Generationen vor uns schon standen, ob sie jung oder alt waren?
Da hilft mir der Blick in die Geschichte. Auch und gerade in die Zeit als das Neue Testament entstanden ist. Ich lerne von den beiden Autoren: Auch diese Zeit ist voller irrsinniger und herrschsüchtiger Despoten gewesen. Von Augustus über Nero bis Domitian – und vorher und nachher auch.
Und in einer solchen Zeit voller Gewalterfahrungen und wahnsinniger Herrscher wird in der Bibel nun von einem Kind in der Krippe erzählt und von einem Mann am Kreuz, den Gott nicht im Stich lässt. Der alle Gewalten und Demütigungen überwindet.
Selbst den Tod. Die große Hoffnung für so viele - damals und heute.
Auch für mich. Darum höre ich so gerne Bibelworte. Sie geben den Schwachen und Unterlegegen Kraft. Und mehr noch: Trost.
So wie im Buch der Offenbarung, dem prophetischen Buch am Ende des Neuen Testaments. Da erfahre ich: Was die einen als ewige Weltherrschaft verkünden, ist nur eine Episode. Sie vergeht! Da stehen die, die die Welt beherrscht und ausgebeutet haben und weinen. Weil ihre Geschäfte und Machenschaften zerbrechen. (Offb 18)
Ich höre daraus: Auch Despoten und Tyrannen vergehen – und mit ihnen die Tyrannei.
Mich lässt das immer wieder getrost in den nächsten Tag gehen. Mit all denen Ängsten, die ich von mir kenne. Denn: Egal, wie oft die Welt auch in dieser Woche wieder medial untergehen wird: Es gilt Gottes Zusage: „Ich bin das A und das O, - der da ist und der da war und der da kommt.“ (Offb 1,8).
* Michael Sommer, Stefan von der Lahr: Die verdammt blutige Geschichte der Antike, C.H.Beck, 2025, 3.Aufl.
