SWR Kultur Wort zum Tag

02FEB2026
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Fröhliche Freihnachten! – hat mein Enkel mir gewünscht. Der knapp Vierjährige hat sich gleich verbessert: „Äh, Weihnachten!“ Mir geht sein Versprecher nicht mehr aus dem Sinn: Fröhliche Freihnachten! Gerade heute an »Lichtmess«, am letzten Tag des Weihnachtsfestkreises. Da bekommt das für mich einen besonderen Glanz.

»Lichtmess« heißt der 2. Februar – auch wegen der Kerzenweihe in katholischen Kirchen. Oder auch: „Darstellung Jesu im Tempel“ – wegen der letzten Szene im Weihnachtsevangelium nach Lukas. Da gehen Joseph und Maria in den Tempel nach Jerusalem. Im christlichen Festkalender ist Lichtmess am 40.Tag nach Jesu Geburt.

Zwei jüdische Bräuche sind in der Erzählung ineinander verwoben:
Die „Reinigung Marias“ am 40. Tag nach Jesu Geburt (3. Mose 12,3+4).
Joseph und Maria danken Gott für ihren ersten Sohn. Sie bringen dafür als Dankopfer ein paar Tauben. Der zweite Brauch ist die sogenannte „Auslösung der Erstgeburt“ (4.Mose 8,17f). 33 Tage nach der Beschneidung (3. Mose 12) - so wie es jüdische Gebote vorsehen.

Für mich ist Lichtmess jedes Jahr ein ganz besonderer Festtag. Nicht so sehr wegen der schönen Bauernregel: „Lichtmess – Spindel vergess – bei Tag ess!“ Ja, seit der Sonnenwende sind die Tage wirklich schon spürbar länger geworden. Und das tut richtig gut. Doch noch mehr freut mich diese besondere Verbindung der christlichen Weihnachtszeit mit dem jüdischen Brauch der sogenannten »Auslösung der Erstgeburt«.

Woher kommt dieser Brauch? Und was besagt er eigentlich? In der Bibel wird erzählt: Als Pharao einst den Israeliten verbot, aus der Knechtschaft in die Freiheit zu ziehen – da erschütterte eine 10. und letzte Plage ganz Ägypten. Alle Erstgeborenen starben. Erst dann ließ der Pharao die Israeliten mit Mose in die Freiheit ziehen. Und die erstgeborenen Israeliten? Sie wurden verschont. Auf Gottes Geheiß hin.

Bei der „Auslösung der Erstgeburt“ wird in jüdischen Gemeinden an diese Verschonung der Erstgeborenen bei der Befreiung aus Ägypten erinnert. Gefeiert wird dabei jedes Mal auf´s Neue: Ein Kind kommt durch. Gott behütet und bewahrt sein Leben in großer Not. Auch dafür haben Joseph und Maria ihre Dankbarkeit gezeigt. Fröhliche Freihnachten!

Der als Kind zur Welt gekommen ist, kommt durch. Er befreit von Angst und Schuld, von Mächten, die uns knechten, von Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Nicht nur zur Weihnachtszeit!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43797
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