Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Vor kurzem habe ich gelesen: die Arbeitszeit in Deutschland ist verpflichtend zu erfassen. Beginn, Ende, Dauer. Minuten zählen jetzt offiziell.
Mich hat das sofort aufhorchen lassen. Nicht nur wegen der Formulare und Apps. Sondern wegen der Frage dahinter: Welchen Stellenwert hat der Mensch eigentlich noch? Mich erinnert das an einen Film. An „Moderne Zeiten“. Der feierte heute vor 90 Jahren Premiere in New York. Charlie Chaplin steht darin am Fließband. Der Takt wird schneller. Der Mensch wird Teil der Maschine. Effizienz schlägt Würde. Heute heißen die beherrschenden Maschinen oft anders. Immer mehr Algorithmen und künstliche Intelligenz messen die Leistung. Sie verändern die Arbeitswelt grundlegend. Und sie stellen dieselbe alte Frage neu. Zählt noch der Mensch? Oder nur das Ergebnis!
In solchen Momenten denke ich an einen sehr alten Bibeltext. Dort heißt es: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“ (Kohelet 3)
Diese Worte erden mich. Sie holen mich aus der Pflicht, alles messen zu müssen. Sie erinnern mich daran, dass Leben mehr ist als Effizienz. Und dann kommt dieser Satz, der mich jedes Mal trifft. Wörtlich schreibt der Prediger Kohelet: „So erkannte ich: Es gibt kein Glück, außer sich zu freuen und Gutes zu tun im Leben. Doch dass jeder Mensch isst und trinkt und das Glück bei all seinem Mühen erfährt, das ist eine Gabe Gottes.“
Ich möchte darauf vertrauen, dass Gott meine Zeit hält. Es muss nicht alles messbar und nachweisbar sein. Ich gehe bewusst in diesen Tag. Ich arbeite verantwortungsvoll. Alles hat seine Zeit.
