SWR4 Abendgedanken

04FEB2026
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„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – so beginnt ein bekanntes Kirchenlied. Und ganz oft wird dieses Lied um den Jahreswechsel herum in Gottesdiensten gesungen. Es wird auch auf Postkarten abgedruckt und verschenkt. Den Text zu diesem Lied hat Pfarrer Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Heute am 4.Februar wäre sein Geburtstag. Im April 1943 jedoch wurde Dietrich Bonhoeffer von der Gestapo in Berlin verhaftet, weil man herausgefunden hatte, dass er in die Vorbereitungen für das Attentat auf Adolf Hitler verwickelt war. Dietrich Bonhoeffer wusste nicht, ob er jemals wieder aus der Haft freikommen würde. Ende des Jahres 1944 hat er auch damit gerechnet, dass man ihn hinrichten könnte. Und er hat Recht behalten. Im April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer erhängt. An seinem letzten Weihnachten 1944 hat er im Gefängnis ein Gedicht für seine Familie und ganz besonders für seine Verlobte Maria geschrieben. Es war sein Weihnachtsgeschenk an sie und es beginnt mit diesen Worten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ – Das Gedicht hat sieben Strophen und in der sechsten Strophe heißt es: „Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang“.

Diese Strophe ist weniger bekannt als die erste. Aber sie sagt viel über Dietrich Bonhoeffer aus. Er war überzeugt, dass diese Welt, in der wir leben, mit all ihrem Leid, ihren Kriegen, ihrer Ungerechtigkeit und ihrem Schmerz nicht das Einzige ist. Unsere Welt ist umgeben von Gottes unsichtbarer Welt. Und in dieser unsichtbaren Welt wird jetzt schon Gott gelobt. Ich finde, das ist eine schöne und tröstliche Vorstellung. Diese Welt ist nicht alles. Sie ist eingehüllt in Gottes Liebe und geborgen in seinem Segen. Vielleicht kann man manchmal das Leben auf dieser Welt nur aushalten, wenn man wie Bonhoeffer davon überzeugt ist, dass alles, was geschieht, unsichtbar von Gottes Welt umgeben ist. Gott ist da, auch wenn ich ihn nicht sehen und manchmal auch nicht spüren kann. Er führt und leitet und bringt alles zu einem guten Ende. Bonhoeffer hat das geglaubt und es hat ihm in seinen dunklen Stunden im Gefängnis Kraft und Hoffnung gegeben. Und nicht nur ihm. Auch mich trägt dieser Glaube.

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