SWR4 Abendgedanken
Mein Weihnachtsbaum ist längst abgeräumt - wie wohl die meisten. Aber früher haben die Weihnachtsbäume bis heute im Wohnzimmer gestanden. Denn erst heute, am 2.Februar, endet die Weihnachtszeit. Warum? Weil heute Maria Lichtmess ist. Heute sind genau 40 Tage vergangen seit Weihnachten. Im alten Israel gab es die Regel, dass eine Frau nach der Geburt ihres Kindes 40 Tage lang zuhause bleiben musste. So lange galt sie als „unrein“. Erst nach diesen 40 Tagen durfte sie wieder das Haus verlassen. Für Maria endete diese Zeit nach der Geburt von Jesus heute, am 2. Februar. Und wissen Sie, wohin Maria als erstes gegangen ist, als sie wieder vor die Tür durfte? Nein, keine Babykleidung kaufen oder ihre Freundinnen besuchen, sondern direkt in den Tempel in Jerusalem. Sie hat ihr neugeborenes Kind an den Ort gebracht, von dem sie geglaubt hat, dass dort Gott wohnt. Maria war überzeugt: Wichtiger als alles andere im Leben ist für ihr Kind, dass es unter Gottes Segen lebt und in allem Glück und allem Leid auf Gott vertraut.
Genau das ist mir für meine Kinder auch wichtig. Darum haben meine Frau und ich auch alle unsere Kinder taufen lassen. Die Taufe ist für mich ein Zeichen dafür, dass meine Kinder zu Gott gehören. Und bei jeder Taufe habe ich mir gewünscht, dass meine Kinder einmal an Gott glauben und ihm vertrauen in allen Herausforderungen ihres Lebens.
Wenn ich heute meine Kinder anschaue, dann hat sich das ganz unterschiedlich entwickelt. Meine Kinder sind heute alle erwachsen. Manche bereits verheiratet mit wieder eigenen Kindern. Einige meiner Kinder haben den Glauben an Gott für sich selbst entdeckt. Andere sind weiterhin zögerlich und fragend. Und ja, es gibt auch Ablehnung gegen den Glauben an Gott. Ich musste lernen, dass ich meinen Kindern den Glauben nicht verordnen kann. Jeder Mensch muss seinen Glauben selbst finden. Ich habe ihnen nur meinen Glauben vorleben und über meinen Glauben sprechen können, wenn sie mich danach gefragt haben.
Aber eines kann ich: Ich bete fast täglich für meine Kinder. Ich bringe sie sozusagen im Gebet zu Gott – so wie Maria ihr Kind Jesus in den Tempel gebracht hat. Ich höre nicht auf, Gott zu bitten, dass er sie segnet und ihnen die Kraft für ihr Leben gibt. Und ich bete darum, dass alle meine Kinder einmal entdecken, wie gut und hilfreich der Glaube an Gott ist.
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